Mit ‘Verantwortung’ getaggte Beiträge

Der Winter hat begonnen, und als ich nun zum ersten Mal zum Schneeschippen draußen war, wurde ich von zwei älteren Menschen angesprochen, ob ich nicht ihren Geweg auch mit räumen könnte. Sie würden mich selbstverständlich dafür bezahlen. Ich sagte ihnen dass ich ihnen nicht garantieren könne, jeden Tag auch da zu sein wenn es schneit. Doch dann fiel mir ein, dass ein 14-jähriger Junge aus dem Jugendtreff in dem ich arbeite mich mal gefragt hat, ob ich nicht wüsste, wie er sich etwas Geld verdienen könne. Ich brachte ihn ins Spiel und schlug ihn den beiden älteren Herrschaften vor. Doch beide lehnten ab. „Nein danke, das hat keinen Wert, das wird eh nichts“, war ihre Reaktion.

Woher kommt dieses Misstrauen gegenüber jungen Menschen? Haben Jugendliche im allgemeinen einen so schlechten Ruf dass man ihnen kaum noch etwas zutraut? Liegt es am Verhalten Einzelner von dem die Menschen auf alle schließt? (Was der Mensch an Sich ja gerne tut).

Nun werden die beiden Herrschaften, trotz ihrem bereits fortgeschrittenen Alters, lieber selbst den Schnee wegräumen wenn ich mal nicht da sein kann, anstatt einem jungen Menschen die Chance zu geben sich zu beweisen. Schade eigentlich, wie ich finde!

Heute war ich auf einem Seminar zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit“. Dabei ging es vor allem darum, wie wir in der offenen Kinder- und Jugendarbeit Sponsoren, Gönner und Unterstützer für unsere Arbeit gewinnen können, die unsere Arbeit in den Jugenhäusern auch finanziell unterstützen.

Das Thema hat mich sehr angetickt, auch wenn ich noch nicht so recht weiß welche Inputs ich konkret umsetzen werde. Generell denke ich zu diesem Thema jedoch, dass es gut und richtig ist, sich Partner und Geldgeber aus der lokalen Wirtschaft zu suchen, denn letztlich provitiert die Wirtschaft und die Gesellschaft im allgemeinen von meiner Arbeit als Jugendreferent. Jugendliche kommen zu mir ins Jugendhaus und lernen dort sehr viel über demokratisches Handeln, Sozialkompetenzen und eigenverantwortliches Handeln. Sie werden im Jugendhaus ernst genommen und somit zu eigenständigen und sozialkompetenten Jugendlichen „erzogen“. Das ist zumindest mein Anspruch, auch wenn ich hierzu nur einen Teil beitragen kann. All diese Kompetenzen sind letztendlich jedoch wichtig für den Alltag und im speziellen für das Berufsleben.

Die Gemeinde Pfedelbach hat dies erkannt und mich vor knapp fünf Jahren als Jugendreferenten angestellt (60% Stelle). Hierzu ist sie nicht verpflichtet! Ein Jugendreferat ist eine freiwillige Leistung die sich jedoch langfristig auszahlt. Es zahlt sich zum einen für die Gemeinde aus (sinkende Jugendhilfekosten) aber auch für die Wirtschaft (sozialkompetente und mündige Berufsanfänger). Deshalb kann es nicht nur Aufgabe der Kommune sein, hier Geld zu investieren, sondern auch der (regionalen) Wirtschaft.

… ist nun zu Ende. Von Samstag Abend 17.00 Uhr bis Sonntag früh um 01.00 Uhr zockte ich mit 6 Jungs aus meinem Jugendtreff das Spiel „Counter-Strike“. Für mich war es nicht die erste LAN-Party, doch die erste „Counter-LAN“. Ich habe im Vorfeld schon etwas geübt und das war auch gut so. Trotz üben gehörte ich nicht gerade zu den Besten, doch ich konnte halbwegs mithalten.

Ich beim “Countern”Danile der ZokkerLukas zokkt ohne Schuhe

Im Vorfeld habe ich mich lange mit dem Thema „Counter-Strike“ und „Ego-Shooter“ beschäftigt (siehe Post „Ego-Shooter schüren Gewalt„) und kann nun, nachdem ich meine Jungfräulichkeit bezüglich Counter-Strike verloren habe, aus eigenen Erfahrungen berichten. Zuerst mal vorneweg: Es hat mir und den Jugendlichen echt Spass gemacht! Wir hatten eine sehr gute Zeit zusammen, denn wir haben nicht nur durchgehend gespielt sondern auch viel miteinander geredet und gemeinsam Döner gegessen.

Während der LAN musste ich feststellen, dass einen großen Unterschied darin besteht, ob man dieses Spiel alleine zu Hause spielt oder mit anderen zusammen. Teamfähigkeiten und Taktisches Geschick machen aus meiner Sicht etwa 80% bei diesem Spiel aus. Ständig sprach ich mich mit den Jungs ab wer wo hin läuft. Wir waren eben ein Team.

Gewalttätig wurde während und nach der Zockernacht keiner. Bei keinem, auch nicht bei mir selbst, konnte ich eine erhöhte Gewaltbereitschaft feststellen. Es war einfach mal was anderes!

Am nächsten Morgen waren sogar (fast) alle pünktlich um 10.30 Uhr wieder da, und das am Sonntagmorgen.

Ich kann auch im Nachhinein meine Entscheidung, eine LAN-Party im Jugendtreff zu veranstalten, vertreten. Die Jungs waren alle zwischen 16 und 21 Jahre alt. Jüngere habe ich nicht zugelassen. Wenn Jungs (oder Mädchen) in diesem Alter hin und wieder solche Ego-Shooter spielen, macht sie das mit Sicherheit nicht zu Amokläufern oder Gewalttäter. Kritisch wird es aber sicher dann, wenn ein Mensch in diese Spielwelt abtaucht und sich täglich mehrere Stunden damit besschäftigt.

Fazit: Es wird sicher noch die eine oder andere LAN-Party im Freetime geben, zusätzlich zu allem anderen was ich sonst noch anbiete.   

so sehen es zumindest die meisten Erwachsenen und viele Politiker. Nicht erst seit dem Amoklauf von Erfurt  am 26. April 2002, bei dem Robert Steinhäuse zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten tötet, bevor er sich selbst erschoss, gibt es eine große Debatte über die sogenannten Ego-Shooter-Computerspiele. Diese Spiele, bei denen es angeblich nur darauf ankommt seine Gegner schnell und gezielt zu töten, würden bei Kindern und Jugendlichen die Gewaltbereitschaft erhöhen. In vielen Studien wurde dies mittlerweile auch nachgewiesen. Unter anderem in einer Studie von Jessica Nicoll und Kevin M. Kieffer von der Saint Leo Universität bestätigen diese These.

Doch es gibt auch Studien die genau das Gegenteil bestätigen. So kommt eine Studie vom Beth Israel Medical Center und der Iowa State University zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die mindestens drei Stunden pro Woche vor der Spielekonsole verbringen, 37 Prozent weniger Fehler machen würden. Auch seien die spielenden Ärzte deutlich schneller: Im Schnitt bräuchten sie 27 Prozent weniger Zeit für die notwendigen Operationen.

Auch Nikolaos Kyriakidis (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der RUB) fragt einmal umgekehrt: Was können die Spiele für die Sozialisation Jugendlicher eigentlich leisten? Fazit seiner Arbeit „Fun, Anyone!? Jugendliche Sozialisation und die Faszinationskraft von Video- und Computerspielen“ : Im Umgang mit Problemen können die Spiele den Heranwachsenden tatsächlich helfen. Die Spieler selbst gehen völlig entspannt mit den Spielen um, und die Gesellschaft täte gut daran, ebenfalls entspannt zu bleiben.

Nun könnte ich hier Stunden damit verbringen verschiedenste Studien aufzulisten. Doch das ist nicht mein Bestreben.  Für mich stellt sich hier vielmehr eine ganz andere Frage: Machen Ego-Shooter Jugenliche zu potentiellen Amokläufern oder spielen potentielle Amokläufer gerne Ego-Shooter?

Fakt ist, dass etwa 90 % der männlichen Jugendlichen in meinem Jugendtreff regelmäßig Counter Strike  spielen oder schon gespielt haben. Doch keiner von ihnen ist bisher Amok gelaufen. Auch legen sie m. E. kein besonders erhöhtes Aggressionsverhalten an den Tag. Sie alle sind „ganz normale Jungs“. Im Gespräch mit ihnen erzählen mir die meisten, dass ihnen bewusst sei dass es in den Spielen um töten ginge, sie desshalb aber trozdem nicht wirklich töten würden. Sie könnten zwischen Realität und Spiel unterscheiden, meinen sie. Außerdem ginge es bei Counter-Strike in erser Linie um Taktik und Strategie und nicht so sehr um das töten.

So war klar, dass immer wieder der Wunsch nach einer LAN-Party in meinem Jugentreff Freetime geäußert wurde. Auf meine Frage, was bei einer solchen LAN-Party für ein Spiel gespielt werden solle, gab es nur eine Meinung: Counter-Strike.

Nun musste ich mich dem Thema stellen und mir selbst ein Bild davon machen. Was ist Counter Strike? Wie geht es? Ab welchem Alter ist es freigegeben? Kann ich es vertreten dass solch ein Spiel in meinem Jugentreff gespielt wird?

Ich kaufte mir also das Computerspiel „Counter-Strike: Condition Zero“ und installierte es auf meinem Notebook. Schnell fand ich in das Spiel hinein und erlernte die Handhabung und die Steuerung. Seither spiele ich immer wieder dieses Spiel. Ich versuche Missionen zu gewinnen indem ich Terroristen ausschalte und Geiseln befreie.

Nach nun einer Woche „testen“ muss ich sagen. Counter-Strike spielen macht echt Spaß. Seit ich es selbst spiele verstehe ich die Jugendlichen, die von diesem Spiel begeistert sind. Nicht umsonst ist es das NR. 1 Spiel auf LAN-Partys. Mittlerweile gibt es schon Meisterschaften (sogar Weltmeisterschaften) bei denen Teams (sogenannte Clans) gegeneinander antereten. Das Preisgeld liegt dabei bei mehreren 10.000 Euro für die Sieger.

Ich erlebe gerade selbst, dass es bei diesem Spiel vor allem um Taktik und Teamarbeit geht. Nur durch gute Kommunikation mit den Mitspielern und durch überlegtes Vorgehen kann man in diesem Spiel bestehen. Trotz allem geht es letztlich in Counter-Strike darum, Terroristen am legen einer Bombe zu hindern oder Geiseln zu befreien. Dies geschieht durch gezieltes töten. Ist das OK? Darf ich jemanden, wenn auch nur virtuell, töten? Können Jugendliche (und Erwachsene) wirklich irgendwann nicht mehr zwischen Realität und Computerspiel unterscheiden?

Darf ich also ein solches Spiel, unter Betrachtung der oben angeführten Aspekte, nun im Jugendtreff spielen oder nicht? Besser gefragt: Lass ich es zu, dass in meinem Jugendtreff Counter-Strike gespielt wird?

Ich habe mich entschieden es zu wagen. Auschlaggebend für diese Entscheidung war mein Selbsttest. Jedoch werde ich einige Beschränkungen einhalten.

1. Altersfreigabe

Die Version die ich mir gekauft habe hat keine Jugendfreigabe und kommt somit schon aus rechtlicher Sicht nicht für meine LAN-Party in Frage. Es gibt jedoch auch eine Version (Counter-Strike: Source) die ab 16 Jahren freigegeben ist. Diese werde ich einsetze. Es dürfen dann auch nur Jugendliche ab 16 Jahre an der LAN-Party teilnehmen.

2. Ausschließlichkeit

Counter-Strike wird während der LAN-Party auf den beiden Computern des Freetime installiert werden, danach jedoch wieder von mir entfernt. So ist gewährleistet, dass während des normalen Beriebes im Jugendtreff keine Personen unter 16 Jahren Counter-Strike spielen werden. Außerdem wird die LAN-Party zeitlich begrenzt sein.

Mein Fazit:

Computerspiele im allgemeinen, und Ego-Shooter im speziellen, sind mittlerweile Teil unseres Kulturgutes. Sie sollten weder verteufelt noch zu sehr gelobt werden. Sie gehören mittlerweile so selbstverständlich zur Lebenswelt der postmodernen Generation dazu, wie es für frühere Generationen Haustiere oder Gesellschaftsspiele waren. Es stecken sicher Gefahren dahinter (wo gibt es sie nicht?), doch sollte die Debatte darüber etwas gelassener geführt werden. Ich glaube nicht dass Ego-Shooter wie Counter-Strike dafür verantwortlich sind, dass Jugendliche und Erwachsene plötzlich Amoklaufen. Solche Taten ausschließlich als Auswirkungen solcher Computerspiele zu bewerten ist viel zu oberflächlich. Amokläufer, oder generell gewaltbereite Jugendliche, haben mit Sicherheit entweder psychische Störungen (woher kommen die?) oder Defizite in ihrer Entwicklung, ihrem Denken oder ihrer Persönlichkeit, welche alle von  Kindheit an geprägt werden.

Es ist gut dass Computerspiele wie Counter-Strike keine oder nur beschränkte Altersfreigaben bekommen. denn m. E. gehen Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren mit solche spielen nochmal anders um als etwa 12-jährige. Eine Altersfreigabe unter 16 Jahren würde ich nicht befürworten. Dass trotz Altersbeschränkung Kinder unter 16 Jahren diese Spiele spielen sehe ich sehr kritisch. Hier sind m. E. vor allem die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern Grenzen zu setzten und so auch Verantwortung für sie zu übernehmen.

Wer ein JA zur Bundeswehr und zur Terrorbekämpfung hat, kann m. E. nichts verwerfliche daran finden, dass angehende Wehrpflichtige Jugendliche (ab16 Jahre) am Computer gegen Terroristen kämpfen und Geiseln aus deren Hand befreien.  

P.S.: Ich werde nach der LAN-Party noch einmal über meine Erfahrungen posten!