Mit ‘Selbstverteidigung’ getaggte Beiträge

In den Herbstferien war das Programm des Jugendzentrum Freetime zum größten Teil auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet. Mit einem Beauty-Tag und einem Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs war viel für die Teenies geboten.

Am Mittwoch starteten die beiden Mädchenaktionstage im Jugendzentrum Freetime mit einem Beauty-Tag unter dem Motto „Be You Tiful“. Das englische Wortspiel bedeutet übersetzt in etwa „So wie du bist, bist du wunderschön“ und dies wurde den Mädchen an diesem Nachmittag auch vermittelt. Die Teilnehmerinnen wurden zunächst unter dem Motto „Schönes Ankommen“ mit einem hübsch gedeckten und dekorierten Tisch von Freetime-Mitarbeiterin Nadine Fleischer begrüßt. Beim Schlürfen der selbstgemachten alkoholfreien Cocktails unterhielten sich die Mädchen mit ihr dann über die gesellschaftlichen und eigenen Schönheitsideale und darüber, wie sie unser Leben beeinflussen. Im Zweiten Teil des Workshops stand dann der praktische Programmpunkt auf dem Plan: Die Beauty-Expertin Anette Pohl, die extra für diesen Tag engagiert wurde, gab den Mädchen Tipps rund um das persönliche Styling. Es wurde sich fleißig geschminkt, frisiert und alles auf Fotos festgehalten. Die Zeit verging wie im Fluge und zum Abschluss wurden noch gemeinsam Burger von Toni Tänzer gegessen. Es war ein „wunderschöner“ Nachmittag für alle Teilnehmerinnen. Eine der Mädels meinte: Ich würde mich am liebsten gar nicht mehr abschminken und auch meine Haare so lassen um dann am Montag so in die Schule gehen zu können. Doch so lange hat es dann sicher doch nicht gehalten. Zum Glück wissen die Mädels nun, wie sie sich selbst dezent und alltagsüblich Schminken können, denn das haben sie an diesem – für sie komplett kostenlosen – „Be You Tiful“ Tag gelernt.

Schon einen Tag später ging es weiter. Diesmal nicht im Jugendzentrum Freetime, sondern aus Platzgründen im Bürgersaal des Pfedelbacher Schloss. Schon auf 9 Uhr war der Treffpunkt angesetzt, was in den Ferien doch recht früh ist. Doch die Zeit wurde benötigt, denn einen ganzen Tag lang durften die zehn Mädchen im Alter zwischen 12 – 17 Jahren sich in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung üben. Angeleitet wurden sie darin von Alisa Küschner und Jochen Stier, zwei Trainer der WingTsun Schule Hohenlohe.

Nach einer kurzen Austauschrunde über Vorkenntnisse und bereits erlebte Situationen, in denen sich die Mädels unwohl gefühlt haben, ging es auch schon los. Jedoch nicht mit Selbstverteidigung, denn das ist das letzte Mittel zu dem die Mädels greifen solle, wenn alles Andere nicht mehr hilft. Das war schon die erste Lektion. Vor der Selbstverteidigung kommt die noch viel wichtigere Selbstbehauptung. Hier lernten die Mädels, dass ein sicheres Auftreten, eine klares NEIN, eine deutliche Körpersprache oder noch besser, das vorzeitige Vermeiden von Konfliktsituationen, das wichtigste ist. Ein Satz wurde in diesem Zusammenhang den ganzen Tag lang immer wieder von den beiden Trainern wiederholt. Er lautet: „Täter suchen sich immer Opfer, nie Gegner.“ Die Teilnehmerinnen des Kurses wurden also darauf sensibilisiert, mit klaren Worten, Körperhaltung, Gesten und einem wehrhaften Verhalten nicht in die Rolle eines Opfers, sondern in die Rolle eines Gegners zu kommen. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass rund 80% der Täter von ihrem Opfer ablassen, wenn sich dieses deutlich und lautstark wehrt. Wenn jedoch auch das nicht mehr hilft, dann kommt die körperliche Selbstverteidigung ins Spiel. Dieser Part wurde nach der Mittagspause eingeübt. In spielerischen Übungen wurden Situationen nachgestellt, bei denen die Mädchen von Trainer Jochen bedrängt und zum Teil auch am Arm gepackt wurden. Aus dieser Situation mussten sie sich dann mit Selbstbehauptung und gegebenenfalls auch mit den zuvor erlernten Selbstverteidigungsmethoden widersetzen. Vielen Mädchen viel es zunächst schwer, sich ihrem Gegenüber (Trainer Jochen) mit einer deutlichen Körpersprache und einem klaren und vor allem lauten NEIN zu widersetzen. Vor allem das anbrüllen und sich resolute wehren war für viele zunächst sehr ungewohnt. Doch mit jeder Übungsrunde gewannen die Mädels an Sicherheit und Selbstvertrauen. Am Ende meisterten sie alle die Übungen schon sehr viel sicherer und mit einer sehr viel klareren Körpersprache. Und wenn sie sich im Notfall einmal körperlich wehren müssen, dann wissen die zehn Mädchen nun auch, wo sie bei ihrem Angreifer am Besten hintreten bzw. wie sie sich aus seiner Bedrängnis befreien können.

In der Feedbackrunde um 16 Uhr kamen nur positive Feedbacks an. Sowohl zu der 29-jährigen Trainerin Alisa, die im Alltag bei der Autobahnpolizei tätig ist, als auch zum 47-jährigen Jochen, der in der Vollzugsanstalt in SHA arbeitet. Beide haben diesen Tag hervorragen gestaltet und viel Praxiswissen vermittelt. Auch das Feedback zum gesteigerten Selbstvertrauen und dazu, dass sich die Teilnehmerinnen nun schon etwas sicher fühlen, war schön zu hören. Dass in einem Tag natürlich nur ein Bruchteil von dem vermittelt werden konnte, was es eigentlich zu vermitteln gibt, war klar. Daher ist eine Wiederholung oder auch eine Fortsetzung des Kurses durchaus eine Option, die wir vom Jugendzentrum Freetime im Hinterkopf behalten und in die Jahresplanung 2021 mit aufnehmen werden.