Mit ‘Respekt’ getaggte Beiträge

Die meisten Kinder sind ab und an mal etwas frech. Normal ist auch, dass Jugendliche – vor allem in der Pupertät – ihre Grenzen und die der Erwachsenen austesten. Damit habe ich jede Woche zu tun, das gehört zu meinem Job als Jugendreferent und Jugendhausleiter. Daran habe ich mich gewöhnt und ich weiß auch um die Wichtigkeit dieser Erfahrungen für Jugendliche. Sehr oft diskutiere und debattiere ich auch mit Jugendlichen über deren Verhalten, ihre Ansichte, Rechte und Pflichten oder über Themen wie Freundschaft, Sexualität, Verhältnis zu den Eltern und gegenseitigen Respekt. Diese Diskussionen liebe ich und halte sie für sehr, sehr wichtig.

Aktuell „muss“ ich mich jedoch mit einigen Jugendliche hier in Pfedelbach auseinandersetzen, mit denen man über solche Themen nicht diskutieren kann, ohne jedes mal nur einen dummen Spruch oder ein hämisches Grinsen zurück zu bekommen. Das große Problem an diesem „Fall“ ist, dass die Betroffenen keinerlei Respekt vor irgend jemanden haben und noch dazu anscheinend keine Grenzen kennen. Selbst der Respekt vor der Polizei ist nicht vorhanden.

Diese Auseinadersetzung kostet mich zum einen sehr viel Nerven, aber auch Kraft und Arbeitszeit. Das wäre alles kein Problem, wenn am Horizont ein kleiner Schimmer von Hoffnung auf Besserung aufleuchten würde auf den ich zuarbeiten könnte. Doch dem ist in diem Fall nicht so. Es scheint so, als sei bei diesen Jugendlichen im Alter zwischen 13 – 15 Jahren schon jegliche Bemühung vergebens.

Was also tun mit solchen jungen Menschen, die zum einen ein wirkliche Problem für die Öffentlichkeit darstellen, zum anderen aber doch wieder nur die Leidtragenden fehlender Erzieherung sind?

Das Elternhaus spielt in solchen Fällen sicherlich eine große Rolle. Doch frage ich mich auch, welche Rolle wir als Gesellschaft darin spielen? Denn ein Stück weit sind solche Kinder und Jugendliche auch das „Produkt“ unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die immer mehr das Individuum und dessen Rechte hervorhebt. Eine Gesellschaft, die jungen Menschen in vielen Bereichen vorlebt, dass es in erster Linie darum geht, nach sich selbst zu schauen und seine eigenen Rechte zu kennen. Mit dieser „Vorbildhaltung“ fördern wir indirekt solches egozentrisches und respektloses Verhalten.

Es gibt natürlich noch viele weitere Faktoren die eine Rolle spielen, doch eines steht für mich fest: Ich werde als Jugendreferent und als Bürger von Pfedelbach nicht wegschauen und auch nicht zulassen, dass Kinder und angehende Jugendliche alte Menschen, Mütter mit Kindern, Gleichaltrige und Kinder auf dem Spielplatz terrorisieren und drangsalieren.

Ich schau hin und tu was! Du auch?

Wo sind die Grenzen (1)

Veröffentlicht: 5. Dezember 2008 in Erlebnisse, Gedanken, Jugendarbeit
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Wer mich kennt weiß, dass ich ein sehr fröhlicher und genügsamer Mensch bin den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Meine Nerven sind schon sehr belastbar und meine Geduld doch recht hoch (Grundvoraussetzungen für den Beruf als Jugendreferent!?).

Doch heute hab ich mich seit langem einmal wieder ganz anders erleb, und das kam so:

Ich saß in meinem Büro im Rathaus von Pfedelbach und telefonierte. Dabei sah ich aus dem Fenster. Dort liefen zwei etwa 13 – 14 Jahre alte Tennager vorbei. Ein Junge und ein Mädchen. Das Mädchen hatte eine Tüte Eisbonbons in der Hand und warf sie eingepackt dem Jungen zu, der versuchte diese mit dem Mund zu fangen, was ihm aber nicht gelang. So landeten 3 Bonbons mitten auf dem Weg. Keiner von beiden machte jedoch Anstalten diese wieder aufzuheben.Da sagte ich zu der Person am Telefon (es war meine Frau), sie solle mal kurz dran bleiben. Ich öffnete das Fenster und forderte die beiden auf die Bonbons aufzuhebe. Der Junge verwies auf das Mädchen und machte sich aus dem Staub. Das Mädchen sagte zu mir: Wieso soll ich die aufhebe? Weil sie dir gehören und du sie da hingeworfen hast, war meine Antwort. Ich will sie aber nicht mehr, sagte sie. Mir egal, heb sie trotzdem auf, war meine Antwort. Nö, kein Bock, bekam ich zurück. In nun etwas lauterer und schon gereizter Stimmlage fuhr ich sie an: Heb die Bonbons jetzt auf oder ich komm raus zu dir! Daraufhin hob sie eines auf und lief weiter. Auf meine nun schon etwas lautere Aufforderung, die anderen beiden auch aufzuheben reagierte sie nicht. Ich schrie: Heb die Scheiß Bonbons auf oder ich komm jetzt raus und dann gibts richtig Ärger! Zu hören bekam ich, in einem sehr ironischenTon: Oh, jetzt bekomm ich aber Angst! Mach jetzt sonst knallts, kam von mir zurück.

Letztlich hatte sie alle drei Bonbons aufgehoben, doch ich kochte innerlich. Am liebsten wäre ich rausgegangen und hätte sie am Kragen Gepackt und mit ins Rathaus geschleppt. Dort dann direkt zum Ordnungsamt. Ich glaube dass lediglich meine Frau – die noch immer am Telefon war und alles mitgehört hatte – mich davon abgehalten hatte.

Ich Frage mich wo die Grenzen der Achtung und des Respektes bei vielen der Jugendlichen heute sind. Nicht, dass ich zu denen gehöre die sagen, dass früher alles besser war. Im Gegenteil, auch ich war mal frech zu anderen. Doch ich hätte mich nie getraut einem erwachsenen Mann, der noch dazu im Rathaus arbeitet, solche Dinge zu sagen und so respektlos zu ihm zu sein.

Woher kommt dieser Wandel den ich im Jugendhaus und im Alltag durchweg beobachten kann? Liegt es daran dass Jugendhäuser solches verghalten verstärken? Liegt es an den Schulen? Oder vielleicht doch an der (nicht ausreichenden) Erziehung der Eltern? Und wie viel „Schuld“ haben wir Erwachsene daran, dass wir einfach wegsehen und nicht eingreifen, obwohl wir es tun sollten?

Wann hast Du zum letzten mal nicht eingegriffen obwohl du genau wusstest dass du hier was tun oder sagen solltest? Und was wirst Du beim nächsten Mal tun?