Mit ‘Jugendliche’ getaggte Beiträge

Jugendarbeit ist eine Freiwilligkeitsleistung, heißt es. Doch ganz so freiwillig ist sie dann doch nicht wie viele glauben. Im Kinder- und Jugendhilfegesetzt (KJHG § 11 Absatz 1) heißt es:

Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.

Dennoch wird in vielen Kommunen an der Jugendarbeit und anderen „freiwilligen“ Leistungen gespart. Was dabei jedoch nicht bedacht wird, ist der präventive, also vorbeugende Charakter dieser Leistungen. Doch diesen kann man schlecht schon im Voraus beziffern. Wenn man sicher wüsste, dass man beispielweise durch die Bezahlung einer 50 % Stelle eines Jugendsozialarbeiters, der etwa 40.000 € im Jahr kostet, im Endeffekt die gleiche Summe oder noch mehr sparen würde, wären sicher alle bereit dies Stelle einzurichten.

Nur als Beispiel zum drüber Nachdenken: Eine Unterbringung eines Jugendlichen in einem Heim kostet pro Jahr etwa 60.000 – 70.000 €. Wenn also durch die Arbeit, des im Beispiel genannten Jugendsozialarbeiters erreicht wird, dass nur ein Jugendlicher weniger ins Heim muss, hat sich die Stelle schon refinanziert. Und was wäre, wenn es drei oder vier wären?

Der Winter hat begonnen, und als ich nun zum ersten Mal zum Schneeschippen draußen war, wurde ich von zwei älteren Menschen angesprochen, ob ich nicht ihren Geweg auch mit räumen könnte. Sie würden mich selbstverständlich dafür bezahlen. Ich sagte ihnen dass ich ihnen nicht garantieren könne, jeden Tag auch da zu sein wenn es schneit. Doch dann fiel mir ein, dass ein 14-jähriger Junge aus dem Jugendtreff in dem ich arbeite mich mal gefragt hat, ob ich nicht wüsste, wie er sich etwas Geld verdienen könne. Ich brachte ihn ins Spiel und schlug ihn den beiden älteren Herrschaften vor. Doch beide lehnten ab. „Nein danke, das hat keinen Wert, das wird eh nichts“, war ihre Reaktion.

Woher kommt dieses Misstrauen gegenüber jungen Menschen? Haben Jugendliche im allgemeinen einen so schlechten Ruf dass man ihnen kaum noch etwas zutraut? Liegt es am Verhalten Einzelner von dem die Menschen auf alle schließt? (Was der Mensch an Sich ja gerne tut).

Nun werden die beiden Herrschaften, trotz ihrem bereits fortgeschrittenen Alters, lieber selbst den Schnee wegräumen wenn ich mal nicht da sein kann, anstatt einem jungen Menschen die Chance zu geben sich zu beweisen. Schade eigentlich, wie ich finde!

Die meisten Kinder sind ab und an mal etwas frech. Normal ist auch, dass Jugendliche – vor allem in der Pupertät – ihre Grenzen und die der Erwachsenen austesten. Damit habe ich jede Woche zu tun, das gehört zu meinem Job als Jugendreferent und Jugendhausleiter. Daran habe ich mich gewöhnt und ich weiß auch um die Wichtigkeit dieser Erfahrungen für Jugendliche. Sehr oft diskutiere und debattiere ich auch mit Jugendlichen über deren Verhalten, ihre Ansichte, Rechte und Pflichten oder über Themen wie Freundschaft, Sexualität, Verhältnis zu den Eltern und gegenseitigen Respekt. Diese Diskussionen liebe ich und halte sie für sehr, sehr wichtig.

Aktuell „muss“ ich mich jedoch mit einigen Jugendliche hier in Pfedelbach auseinandersetzen, mit denen man über solche Themen nicht diskutieren kann, ohne jedes mal nur einen dummen Spruch oder ein hämisches Grinsen zurück zu bekommen. Das große Problem an diesem „Fall“ ist, dass die Betroffenen keinerlei Respekt vor irgend jemanden haben und noch dazu anscheinend keine Grenzen kennen. Selbst der Respekt vor der Polizei ist nicht vorhanden.

Diese Auseinadersetzung kostet mich zum einen sehr viel Nerven, aber auch Kraft und Arbeitszeit. Das wäre alles kein Problem, wenn am Horizont ein kleiner Schimmer von Hoffnung auf Besserung aufleuchten würde auf den ich zuarbeiten könnte. Doch dem ist in diem Fall nicht so. Es scheint so, als sei bei diesen Jugendlichen im Alter zwischen 13 – 15 Jahren schon jegliche Bemühung vergebens.

Was also tun mit solchen jungen Menschen, die zum einen ein wirkliche Problem für die Öffentlichkeit darstellen, zum anderen aber doch wieder nur die Leidtragenden fehlender Erzieherung sind?

Das Elternhaus spielt in solchen Fällen sicherlich eine große Rolle. Doch frage ich mich auch, welche Rolle wir als Gesellschaft darin spielen? Denn ein Stück weit sind solche Kinder und Jugendliche auch das „Produkt“ unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die immer mehr das Individuum und dessen Rechte hervorhebt. Eine Gesellschaft, die jungen Menschen in vielen Bereichen vorlebt, dass es in erster Linie darum geht, nach sich selbst zu schauen und seine eigenen Rechte zu kennen. Mit dieser „Vorbildhaltung“ fördern wir indirekt solches egozentrisches und respektloses Verhalten.

Es gibt natürlich noch viele weitere Faktoren die eine Rolle spielen, doch eines steht für mich fest: Ich werde als Jugendreferent und als Bürger von Pfedelbach nicht wegschauen und auch nicht zulassen, dass Kinder und angehende Jugendliche alte Menschen, Mütter mit Kindern, Gleichaltrige und Kinder auf dem Spielplatz terrorisieren und drangsalieren.

Ich schau hin und tu was! Du auch?

Ich hatte versprochen, von meinem Vorhaben, mit einigen Jugendlichen 1. Mai Streiche zu organisieren, zu berichten. Wie in meinem letzten Bericht erwähnt, ging es mir vor allem darum, Jugendlichen die Grenze zwischen Vandalismus und vertretbaren Streichen aufzuzeigen und mit ihnen coole Streiche durchzuführen. Das haben wir letztlich auch gemacht.

Ein Streich hat es sogar in die Hohenloher Zeitung geschafft. Unser Transparent, welches wir in mühevoller Arbeit gemeinsam gestaltet hatten, hing drei Tage lang am Rathau, bevor es vom Bauhof entfernt wurde. Das Transparent verwandelte das Pfedelbacher Rathaus in die „VFB-Fanzentrale Pfedelbach“, deren Geschäftsführer unser Bürgermeister und bekennender VFB-Fan Torstene Kunkel wurde.

Der zweite Streich lies so manchen Autofahrer zweifeln. Am Pfedelbacher Ortschild, an dem man noch am 30. April  2010 nach Pfedelbach hinein fuhr, befand man sich ab dem 1. Mai plötzlich in Schlupfhausen. Das, mit viel Geduld und Präzision gestaltet, Ortsschild sah dem orginal täuschend ähnlich und sorgte bei manchem Autofahrer auch für ein Schmunzeln.

Es war für mich und die beteiligten Jugendlichen eine sehr geniale Erfahrung. Auch die Anerkennung der Bürger und speziell die des Bürgermeisters, der das Transparent fotografierte und das Foto an den Präsidenten des VFB Stuttgart schickte, taten allen sehr gut. Das Ortsschild hängt mittlerweile in unserem Jugendraum an der Wand während das Rathaus-Transparent bei Bürgermeister Kunkel landete. Er wollte es unbedingt mit nach Hause nehmen.