Archiv für die Kategorie ‘Politisches’

Wie erklärt man jungen Menschen eigentlich was Solidarität bedeutet? Die Antwort ist recht einfach: Man erklärt es nicht, man zeigt es ihnen!

Wir alle haben von den Unwettern in Braunsbach und Umgebung Ende Mai 2016 gehört. Auch unter den Jugendlichen in Pfedelbach war dies ein Thema, das aufgrund der Fotos und Videos auf Facebook sehr aktuell war. Da in Pfedelbach am Freitag, den 3. Juni 2016 wegen eines pädagogischen Tages in Pfedelbach schulfrei war, organisierte ich spontan einen Hilfseinsatz für die von den Fluten betroffenen Menschen. Innerhalb weniger Stunden meldeten sich zehn jungen Menschen zu diesem Hilfseinsatz an. Anstatt an diesem schulfreien Tag auszuschlafen, fanden sie sich um 8:15 Uhr vor dem Jugendzentrum Freetime ein. Bepackt mit Gummistiefeln, Handschuhen und Schaufeln ging es dann nach Künzelsau. Dort war unser erster Einsatzort ein Privathaus unweit der Innenstadt. Noch immer stand dort etwa 20 Zentimeter hoch das Wasser im Keller. Dieses war mit jeder Menge Schlamm und leider auch Heizöl vermischt. Unsere Aufgabe war es, in einer langen Menschenkette alles was sich im Keller befand zwei Stockwerke höher ins Freie zu schaffen. Ein echter Knochenjob, den die fünf Jungs und fünf Mädchen im Alter zwischen 14 – 17 Jahren mit großem Einsatz meisterten. Das schlimmste war nicht der Matsch und die Schufterei, sondern der Heizölgestank der uns allen in die Nase stieg. Immer wieder mussten diejenigen, die im Keller direkt arbeiteten an die frische Luft gehen. Nach zweieinhalb Stunden war der Keller leer geräumt, alles in zwei Container verfrachtet und die Hausbesitz sehr erleichtert und dankbar, dass wir ihnen geholfen hatten.

Danach zogen wir weiter zu unserem nächsten Einsatzort in der Künzelsauer Innenstadt. Im Keller des Schuhhauses Setzer, welches vom Hochwasser besonders stark betroffen war, mussten Schränke leergeräumt werden. Diese Schränke waren gefüllt mit älteren Akten einer Anwaltskanzlei, welche sich im 1. OG über dem Schuhhaus befindet. Insgesamt 15 Schränke mussten von der Feuerwehr mit dem Trennschneider aufgeschnitten und dann die nassen und schlammigen Akten ins Frei gebracht werden. Auch hier wurde eine lange Menschenkette mit 27 Personen gebildet. Elf Personen davon waren wir vom Jugendzentrum Freetime. Insgesamt rund acht Tonnen Akten beförderten wir – zusammen mit den anderen Helfern – vom Keller bis in den Container im Freien. Auch dies war kein so leichter Job, doch immerhin stank es diesmal nicht nach Heizöl. Nach etwa drei Stunden warf Paul Seeman um 14:30 Uhr, unter Applaus der Anderen Helfer, die letzte Akte in den Container. Damit war unser Einsatz beendet. Es folgte noch ein Mittagessen beim Dönerladen. Danach machten wir uns dann wieder auf den Heimweg nach Pfedelbach. Dort war für alle erst einmal duschen angesagt, denn wir waren von oben bis unten dreckig.

Für die Jugendlichen war es ein sehr einprägsames und zugleich wichtiges Erlebnis. Sie erlebten mehrmals an diesem Tag die Dankbarkeit der Betroffenen Personen und ernteten immer wieder Lob und Anerkennung für ihren freiwilligen Einsatz. Nicht nur von den Geschädigten, sondern auch von anderen Helfern. Auf die Frage, warum sie denn überhaupt an einer solchen Hilfsaktion teilnehmen würden, anstatt im Bett zu bleiben und auszuschlafen, antworteten sie: „Das nächste Mal kann es auch uns in Pfedelbach treffen und dann sind wir auch froh, wenn uns jemand hilft.“ Genau das ist der Punkt an der Sache. Besonders in so schwierigen Zeiten wie nach Naturkatastrophen, sollte man zusammen stehen und sich gegenseitig helfen. Das haben wir getan und somit ganz praktisch erlebt, was Solidarität ist und wie sie gelebt werden kann. Eine wichtige Lektion für alle Beteiligten.

Ein großes Dankeschön den freiwilligen Helfern Maja Demirci, Diana Massold, Selina Bitsch, Gina Ost, Chiara Simola, Paul Seeman, Jeremy und Jermane Melzig, Przmek Rynkiewicz und Dawid Pietzko.

Hier ein fünfminütiges Video von unserem Hilfseinsatz:

 

 

 

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Bürgermeister Torsten Kunkel während der Öffnungszeiten des Jugendzentrums dort vorbei schaut. Kürzlich war dies jedoch mal wieder der Fall. Wir hatten Ihn zu einer Diskussions- und Austauschrunde zum Thema „Pfedelbacher Jugendliche im öffentlichen Raum“ eingeladen.

Ziel dieser Runde war es, gemeinsam nach Lösungen zu der Frage: „Wo können und dürfen sich Pfedelbacher Jugendliche im öffentlichen Raum treffen und welche allgemeinen Regeln gelten dann“ zu suchen. Dieses Thema war und ist seit langem ein großes Anliegen vieler junger Menschen in Pfedelbach. Dort gibt es nämlich nahezu keine öffentlichen Grünflächen und viele andere Plätze sind durch Verbotsschilder gesperrt. Die jungen Menschen sind sich jedoch einig darin, dass es neben Spielplätzen für Kleinkinder auch einen ausgewiesenen Platz für Jugendlich geben muss. Daher wurde Herr Kunkel ins Jugendzentrum eingeladen. Im Vorfeld bereiteten wir uns an einem Abend auf dieses Gespräch vor. Im Anschluss an die Öffnungszeit des Freetime konnten die Jugendlichen noch bleiben. Gemeinsam sammelten wir Argumenten, klärten Wünsche und Bedürfnisse ab und brachten die Anliegen der Jugendlichen zu Papier. Ein Jugendlicher ordnete anschließend alle gesammelten Punkte und fasste diese thematisch sortiert zusammen. So entstanden zu verschiedenen Punkten mehrere Karteikarten mit Stichwörtern und Leitsätzen. Als unser Bürgermeister am Mittwochabend um 18 Uhr dann im Jugendzentrum Freetime ankam, warteten bereits 43 Jugendliche auf ihn. Nach einer kurzen Begrüßung kamen wir schnell zum Hauptthema. Die Karteikarten waren unter den Jugendlichen verteilt und so wurden dem Ratschef die Wünsche, Ideen und Anregungen mitgeteilt. Dies geschah in einem regen aber sehr disziplinierten Austausch. Eine Stunde lang sprachen wir über Bedürfnisse der Jugendlichen, mögliche Standorte für einen solchen Platz und dessen Ausstattung, die Regeln die dort dann gelten sollen und auch über Beteiligungsformen der jungen Menschen. Herr Kunkel zeigte großes Interesse und auch Verständnis für die Bedürfnisse und den Wunsch nach einem „eigenen“ Platz. Auch über mehr Öffnungszeiten im Jugendzentrum und Alternativen zum Hartplatz der bald abgerissen wird wurde gesprochen. Am Ende verblieben wir mit dem Bürgermeister so, dass er sich der Sache annehmen und zeitnah nach einer guten Lösung schauen wird.

Es war ein wirklich sehr gelungener und vor allem konstruktiver Abend. Die über 40 Jugendlichen waren sehr konzentriert und konstruktiv bei der Sache, vertraten ihre Anliegen sehr gut und hatten auch Verständnis für Argumente der „Gegenseite“ wie etwa beim Thema Verschmutzung durch liegengelassenen Müll an solchen Plätzen. An diesem Abend konnten alle Anwesenden live miterleben, wie Demokratie und freie Meinungsäußerung funktioniert. Einige Jugendliche sind zwar noch skeptisch und fragen sich, ob am Ende wirklich auch etwas konkretes für sie entsteht, doch das wird sich zeigen. Hoffen wir dass ihre Skepsis unbegründet bleibt. Andere Jugendliche hatte am Ende jedoch ganz andere Anliegen. Sie nutzten die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Bürgermeister. Dieser wurde von einem Jugendlichen am Ende mit folgenden Worten verabschiedet: Herr Kunkel, kommen sie doch einfach öfters mal bei uns vorbei und chillen sie eine bisschen mit uns, das wär echt cool“.

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Das Jugendzentrum Freetime freut sich über zwei neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Von Oktober bis Dezember 2014 absolvierten Lisa Jäckle (18) und Thomas Ruder (19) die Jugendleiterausbildung bei Forum Jugend.

In insgesamt 7 Abendkursen, zwei ganzen Schulungstagen sowie einem Seminarwochenende im Kloster Schöntal eigneten sich die Beiden viel Grundwissen an. Sie besuchten beispielweise einen Kurs zum Thema „Mit Werten auseinandersetzen“, hörten viel über Gruppenentwicklungsprozesse und Gruppendynamik, lernten rechtliche Grundlagen in der Jugendarbeit kennen  und eigneten sich Wissen bezüglich Kindeswohlgefährdung und Schutzauftrag an. Auch Erlebnispädagogik und kreatives Gestalten standen auf dem Lehrplan. Beim Neujahresempfang der Jugendarbeit am 25. Januar 2015 bekam sie offiziell – zusammen mit 12 weiteren Absolventen – ihre Jugendleiterkarten überreicht.  Somit hat das Mitarbeiterteam des Jugendzentrums Freetime seit letzten Sonntag zwei neue Mitarbeiter. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank an dieser Stelle an Lisa und Thomas für die investierte Zeit und die Zusage, sich zukünftig im Jugendzentrum Freetime ehrenamtlich zu engagieren.

Zwei weitere junge Menschen aus Pfedelbach hatten den ersten Teil der Ausbildung, den Grundkurs, belegt und erhielten dafür ebenfalls einen Mitarbeiterausweis. Es handelte sich dabei um Karina Denes und Robin Wüstholz. Sie hatten sich über die Künzelsauer Geschwister-Scholl-Schule zur Jugendleiterausbildung angemeldet.  Auch an diese beiden Absolventen nochmals einen herzlichen Glückwunsch.

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Seit im Januar diesen Jahres Frau Marita Fritz, aufgrund einer beruflichen Neuorientierung, das Jugendreferat Pfedelbach verlassen hat, wurde für sie eine Nachfolgerin gesucht.  Nach langem Suchen und einigen Bewerbungsgesprächen ist man vor Ort fündig geworden. Obwohl man das mit dem „vor Ort“ nicht ganz wörtlich nehmen darf. Die Nachfolgerin von Frau Fritz heißt Jasmina Ghersi-Glück. Die 32-jährige Pädagogin wohnt seit kurzem in Schuppach. Mit ihr haben wir eine junge und dynamische Person für die Arbeit im Jugendzentrum Freetime gefunden, die auf Anhieb von den Jugendlichen akzeptiert und anerkannt wurde. Schon nach dem ersten „Schnupperabend“ im Freetime sagte ein Jugendlicher: „Martin, die nehmen wir! Die passt zu uns!“ Und das haben wir getan. Wir alle freuen uns auf den frischen Wind den Frau Ghersi-Glück mitbringt und auf die vielen Abende und Aktionen, bei denen sie uns in Zukunft begleiten wird. In diesem Sinne: Herzlich willkommen im Jugendzentrum Freetime!

Jasmina Ghersi-Glück mit einigen Jugendlichen im Jugendzentrum Freetime