Einmal pro Jahr organisiert und finanziert der Landkreis
Hohenlohe eine Bildungsfahrt für Ehrenamtlich Tätige Menschen im
Hohenlohekreis. Mit dem Bus geht es in eine große Stadt, um dort am Vormittag gemeinsam
ein kulturelles Programm zu besuchen. Der Nachmittag ist dann zur freien
Verfügung. Dieses Jahr ging es nach Nürnberg.
An der diesjährigen Bildungsfahrt nahmen zum wiederholten Male auch wir vom Pfedelbacher Jugendzentrum bzw. die Jugendlichen des Thekenteams, in Begleitung von Jugendreferent Martin Jakob, teil. Am 11. Oktober, pünktlich um 8 Uhr, startete der Reisebus nach Nürnberg. Mit an Bord waren, neben den etwa 30 weiteren Ehrenamtlichen aus Hohenlohe, Maylin, Viktorija, Valerias, Jan und Karim. Sie bilden das Thekenteam des Jugendzentrums und hatten für diesen Tag eine Schulbefreiung bekommen. Nach einer knapp zweistündigen Busfahrt kamen wir in Nürnberg an. Unser kulturelles Ziel für den Vormittag war das Reichsparteitagsgelände samt Dokumentationszentrum.
Los ging es mit einer interessanten und lebendigen Führung über
das sehr weitläufige, von Hitler und den Nazis geplante und nur zum Teil fertig
gestellte, Reichsparteitagsgelände. Wir starteten in der Luitpoldarena, wo wir
einige einführende Worte von der Dame gesagt bekamen, welche die 2,5 stündige Führung
mit uns machte. Danach ging es in die Kongresshalle. Diese wurde von den Nazis
nie fertiggestellt und gleicht seinem Vorbild, dem Kolosseum in Rom sehr stark.
Obwohl die Kongresshalle nie ganz fertiggestellt wurde (der 2. Weltkrieg stoppte
die Bauarbeiten), kann man dennoch sehen, wie gewaltig und pompös diese einmal
werden sollte. Von den geplanten 70 Metern Höhe wurden „nur“ 39 Meter
errichtet. Mit einer Abmessung von 240 x 200 Metern ist der U-förmige Bau ein
riesiges Bauwerk. Entsprechend klein kamen wir uns vor, als wir in der Mitte
standen und uns umschauten. Genau das war auch von den Nazis so gewollt: Die 50.000
Besucher, welche die Kongresshalle einmal hätte fassen sollen, sollten sich
klein und unwichtig fühlen. Nur der Führer, der sein Rednerpult in der Mitte
hätte stehen gehabt, hätte hier sprechen dürfen und wäre als wichtig angesehen
worden. Heute steht dieser zweitgrößte erhaltene nationalsozialistische
Monumentalbau in Deutschland unter Denkmalschutz.
Weiter ging es über die große Straße, auf welcher Paraden
und Aufmärsche abgehalten wurden, zum geplanten Standort des Deutschen
Stadions. Dieses wurde nie gebaut. Lediglich ein Granitblock als Grundstein ist
dort heute zu sehen. Interessant war für uns Besucher jedoch auch hier zu
erfahren, mit welcher Präzision und welchen Hintergedanken die Nazis auch
dieses Bauwerk geplant hatten. Die Pläne für das Stadion konnten wir auf Fotos
sehen. Hier sollten die jungen Menschen sich sportlich betätigen. Jedoch nicht
nur der Gesundheit wegen. Als Disziplinen gab es zu der damaligen Zeit zwischen
1935 und 1944 u.a. die Disziplinen Langstreckenlauf mit Gasmaske und Handgranaten
Weitwurf. Hier wurden also die jungen deutschen Männer „spielerisch“ auf den
Krieg vorbereite. Die Ausführung dieser Disziplinen auf Fotos zu sehen, war
sehr eindrücklich und erschütternd, auch und vor allem für die jungen
Teilnehmer aus Pfedelbach. Sie stellten viele Fragen und waren sehr interessiert.
Zum Abschluss der Führung ging es dann noch auf das sogenannte
Zeppelinfeld mit der Zeppelintribüne. Hier hielt Hitler viele seiner heute noch
bekannten Reden. Das Zeppelinfeld mit seiner imposanten Tribüne ist das einzige
Bauwerk, welches komplett fertiggestellt wurde. Wir hatten dann noch die Möglichkeit,
den Goldenen Saal im inneren der Tribüne zu besichtigen. Dieser ist für normale
Besucher nicht zugänglich und kann nur bei geführten Besichtigungen begangen
werden. Dieser große Saal, dessen Decke mit prunkvollen Hakenkreuzornamenten
ausgestaltet ist, welche wiederum mit Blattgold übersogen sind (daher der Name
Goldener Saal), war eines der Highlights der Führung. Zu wissen, dass genau an
dieser Stelle auch Adolf Hitler schon stand um sich auf seine Reden
vorzubereiten, lies uns einen Schauer über den Rücken laufen. Noch nie war die NS
Vergangenheit und ihre Geschichte so greifbar und so nah für uns.
Zum Abschluss besuchten wir dann noch das Dokumentationszentrum
mit seiner Ausstellung „Faszination und Gewalt“, welche sich im Nordflügel der
Kongresshalle befindet. Also dort wo unsere Führung begonnen hatte. Leider
blieb nicht mehr viel Zeit um die Ausstellung zu besichtigen. Dennoch war auch sie
eine, zu gleichen Teilen, beeindruckende und bedrückende Zeitzeugin einer
dunklen und schrecklichen Zeit in Deutschland.
Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung. Wir sechs
Pfedelbacher hatten keine Lust auf Kaffeekränzchen und machten uns auf eigene
Faust auf, die Stadt zu erkunden. So schlenderten wir durch die Stadt, gingen
zusammen Mittagessen und besuchten interessante Einkaufsläden. Um 17 Uhr
startete der Bus dann wieder Richtung Öhringen, wo wir – voll mit neuen
Eindrücken und neuem Wissen über die NS Zeit in Deutschland – um 19 Uhr wieder ankamen.
Karim fasste den Tag am Ende für sich so
zusammen: „Heute hatte ich viel Spaß mit den Anderen und habe auch noch ganz
viel über die NS Zeit gelernt. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei“. Wo die
Bildungsfahrt 2020 hinführt steht jedoch noch nicht fest.
Martin Jakob, Jugendreferent