Archiv für die Kategorie ‘Politisches’

Als im Februar 2020 die ersten Meldungen über das Corona-Virus in China durch unsere Nachrichten huschten, dachte ich nicht im Geringsten daran, dass dieses Virus eine Weltweite Pandemie auslösen würde. Doch bereits am 6. März waren die Auswirkung bei uns im Jugendzentrum in Pfedelbach angekommen. Da Pfedelbach und Kupferzell – sowie der gesamte Hohenlohekreis – zu diesem Zeitpunkt ein Hotspot waren, mussten wir unsere Türen schließen.

Zunächst wurde von der Gemeindeverwaltung eine Schließung des Jugendzentrums bis Ende März 2020 verhängt. Damals dachte ich noch: Einen ganzen Monat das Jugendzentrum schließen, das ist ja krass! Doch aus den vier Wochen wurden letztlich exakt 100 Tage! Erst in den Pfingstferien am Freitag, den 12. Juni öffneten wir erstmals wieder unsere Türen. Natürlich mit zuvor akribisch ausgearbeitetem Hygienekonzept, mit Abstandsregeln und Maskenpflicht. Zunächst durften nur 6 Jugendliche das Jugendzentrum gleichzeitig besuchen. Sie mussten sich zuvor online für die Öffnungszeit anmelden. Später wurde die Teilnehmerzahl dann Stück für Stück erhöht. Ab Mitte Juli kam dann die lang ersehnte Rückkehr zur offenen „Komm- und Gehstruktur“ ohne vorherige Anmeldung. Auch eine Maske musste nicht mehr getragen werden, wenn der Abstand eingehalten wird.

Im Sommer fanden bei mir im Jugendzentrum dann viele Aktionen im Freien an der frischen Luft statt. Dennoch war es äußerst unwirklich und befremdend, die Jugendlichen nicht mehr mit Handschlag begrüßen zu dürfen, sie nicht mehr zu umarmen und ständig 1,5 Meer Abstand zu ihnen einzuhalten. Ein Umstand der nach wie vor gilt (Stand September 2020). Durch das Abstand halten geht aus meiner Sicht sehr viel an nonverbaler Interaktion und sozialer Wärme verloren. Ich mag es gar nicht, halte mich aber natürlich daran, denn es hat ja seine Berechtigung. Dennoch wünsche ich mir für uns alle und besonders für die Jugendarbeit, dass die Pandemie bald beendet ist und wir uns wieder mit Handschlag und Umarmung begrüßen können. Dass ich die Jugendlichen nicht mehr ermahnen muss, wenn sie zu wenig Abstand zu Anderen einhalten und dass wir wieder gemeinsam eng an eng auf dem Sofa vor der Playstation oder am Spieletisch sitzen können und dabei laut lachen. Ohne Mundschutz und Mindestabstand!

Einmal pro Jahr organisiert und finanziert der Landkreis Hohenlohe eine Bildungsfahrt für Ehrenamtlich Tätige Menschen im Hohenlohekreis. Mit dem Bus geht es in eine große Stadt, um dort am Vormittag gemeinsam ein kulturelles Programm zu besuchen. Der Nachmittag ist dann zur freien Verfügung. Dieses Jahr ging es nach Nürnberg.

An der diesjährigen Bildungsfahrt nahmen zum wiederholten Male auch wir vom Pfedelbacher Jugendzentrum bzw. die Jugendlichen des Thekenteams, in Begleitung von Jugendreferent Martin Jakob, teil. Am 11. Oktober, pünktlich um 8 Uhr, startete der Reisebus nach Nürnberg. Mit an Bord waren, neben den etwa 30 weiteren Ehrenamtlichen aus Hohenlohe, Maylin, Viktorija, Valerias, Jan und Karim. Sie bilden das Thekenteam des Jugendzentrums und hatten für diesen Tag eine Schulbefreiung bekommen. Nach einer knapp zweistündigen Busfahrt kamen wir in Nürnberg an. Unser kulturelles Ziel für den Vormittag war das Reichsparteitagsgelände samt Dokumentationszentrum.

Los ging es mit einer interessanten und lebendigen Führung über das sehr weitläufige, von Hitler und den Nazis geplante und nur zum Teil fertig gestellte, Reichsparteitagsgelände. Wir starteten in der Luitpoldarena, wo wir einige einführende Worte von der Dame gesagt bekamen, welche die 2,5 stündige Führung mit uns machte. Danach ging es in die Kongresshalle. Diese wurde von den Nazis nie fertiggestellt und gleicht seinem Vorbild, dem Kolosseum in Rom sehr stark. Obwohl die Kongresshalle nie ganz fertiggestellt wurde (der 2. Weltkrieg stoppte die Bauarbeiten), kann man dennoch sehen, wie gewaltig und pompös diese einmal werden sollte. Von den geplanten 70 Metern Höhe wurden „nur“ 39 Meter errichtet. Mit einer Abmessung von 240 x 200 Metern ist der U-förmige Bau ein riesiges Bauwerk. Entsprechend klein kamen wir uns vor, als wir in der Mitte standen und uns umschauten. Genau das war auch von den Nazis so gewollt: Die 50.000 Besucher, welche die Kongresshalle einmal hätte fassen sollen, sollten sich klein und unwichtig fühlen. Nur der Führer, der sein Rednerpult in der Mitte hätte stehen gehabt, hätte hier sprechen dürfen und wäre als wichtig angesehen worden. Heute steht dieser zweitgrößte erhaltene nationalsozialistische Monumentalbau in Deutschland unter Denkmalschutz.

Weiter ging es über die große Straße, auf welcher Paraden und Aufmärsche abgehalten wurden, zum geplanten Standort des Deutschen Stadions. Dieses wurde nie gebaut. Lediglich ein Granitblock als Grundstein ist dort heute zu sehen. Interessant war für uns Besucher jedoch auch hier zu erfahren, mit welcher Präzision und welchen Hintergedanken die Nazis auch dieses Bauwerk geplant hatten. Die Pläne für das Stadion konnten wir auf Fotos sehen. Hier sollten die jungen Menschen sich sportlich betätigen. Jedoch nicht nur der Gesundheit wegen. Als Disziplinen gab es zu der damaligen Zeit zwischen 1935 und 1944 u.a. die Disziplinen Langstreckenlauf mit Gasmaske und Handgranaten Weitwurf. Hier wurden also die jungen deutschen Männer „spielerisch“ auf den Krieg vorbereite. Die Ausführung dieser Disziplinen auf Fotos zu sehen, war sehr eindrücklich und erschütternd, auch und vor allem für die jungen Teilnehmer aus Pfedelbach. Sie stellten viele Fragen und waren sehr interessiert.

Zum Abschluss der Führung ging es dann noch auf das sogenannte Zeppelinfeld mit der Zeppelintribüne. Hier hielt Hitler viele seiner heute noch bekannten Reden. Das Zeppelinfeld mit seiner imposanten Tribüne ist das einzige Bauwerk, welches komplett fertiggestellt wurde. Wir hatten dann noch die Möglichkeit, den Goldenen Saal im inneren der Tribüne zu besichtigen. Dieser ist für normale Besucher nicht zugänglich und kann nur bei geführten Besichtigungen begangen werden. Dieser große Saal, dessen Decke mit prunkvollen Hakenkreuzornamenten ausgestaltet ist, welche wiederum mit Blattgold übersogen sind (daher der Name Goldener Saal), war eines der Highlights der Führung. Zu wissen, dass genau an dieser Stelle auch Adolf Hitler schon stand um sich auf seine Reden vorzubereiten, lies uns einen Schauer über den Rücken laufen. Noch nie war die NS Vergangenheit und ihre Geschichte so greifbar und so nah für uns.

Zum Abschluss besuchten wir dann noch das Dokumentationszentrum mit seiner Ausstellung „Faszination und Gewalt“, welche sich im Nordflügel der Kongresshalle befindet. Also dort wo unsere Führung begonnen hatte. Leider blieb nicht mehr viel Zeit um die Ausstellung zu besichtigen. Dennoch war auch sie eine, zu gleichen Teilen, beeindruckende und bedrückende Zeitzeugin einer dunklen und schrecklichen Zeit in Deutschland.

Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung. Wir sechs Pfedelbacher hatten keine Lust auf Kaffeekränzchen und machten uns auf eigene Faust auf, die Stadt zu erkunden. So schlenderten wir durch die Stadt, gingen zusammen Mittagessen und besuchten interessante Einkaufsläden. Um 17 Uhr startete der Bus dann wieder Richtung Öhringen, wo wir – voll mit neuen Eindrücken und neuem Wissen über die NS Zeit in Deutschland – um 19 Uhr wieder ankamen.  Karim fasste den Tag am Ende für sich so zusammen: „Heute hatte ich viel Spaß mit den Anderen und habe auch noch ganz viel über die NS Zeit gelernt. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei“. Wo die Bildungsfahrt 2020 hinführt steht jedoch noch nicht fest.

Martin Jakob, Jugendreferent

Was haben Jugendliche im Alter zwischen 12 – 14 Jahren bei einer Veranstaltung für Senioren zu suchen? Die Antwort ist ganz einfach: Sie sind zum Helfen und unterstützen gekommen!

So geschehen am 10. April 2019 bei der Veranstaltung „Generation 60+ Mobil und sicher im Alter“ die in der Pfedelbacher Nobelgusch stattfand. Neben vielen Infoständen zum Thema Alter und Pflege gab es im Außenbereich der Nobelgusch einen Rollator-Parcours. Dieser wurde vom Polizeipräsidium Heilbronn aufgebaut und bot den anwesenden Senioren die Möglichkeit, den sicheren Umgang mit einem Rollator zu üben. Damit die älteren Menschen nicht alleine mit ihrem Rollator durch den Parcours laufen mussten, gab es „Wegbegleiter“. Dies waren Helfer der Gruppe „Senioren für Senioren Pfedelbach“ sowie fünf Jugendliche des Pfedelbacher Jugendzentrums Freetime in Begleitung von Jugendreferent Martin Jakob.

Noch vor Beginn der Veranstaltung bekamen alle „Wegbegleiter“ eine Einweisung von Herr Kempf von der Polizei. Anschließend durchliefen die Jugendlichen den Rollator-Parcours auch selbst einmal mit einem Rollator. Dies fiel ihnen verständlicherweise nicht sonderlich schwer, dennoch war es gut zu wissen wie sich das laufen mit einer solchen Gehhilfe anfühlt.  Als der Rollator-Parcours dann für die Senioren geöffnet wurde, hatten die „Wegbegleiter“ alle Hände voll zu tun. Der Parcours fand großen Anklang bei den Besuchern und wurde rege genutzt. Immer in Begleitung eines Helfers vom Seniorenkreis oder einem der fünf Jugendlichen durchliefen die Senioren den Hindernisparcours. Nach zwei Stunden hatten alle Senioren ihren Rollatorführerschein erhalten und der Parcours wurde geschlossen.

Für die fünf jungen Leute des Jugendzentrum Freetime war es ein besonderer Nachmittag. Vor allem die Dankbarkeit der älteren Menschen für die Hilfe und Unterstützung hinterließ bei ihnen ein gutes Gefühl. Sie alle fanden den Nachmittag mit den Senioren „ziemlich cool“ und haben es nicht bereut, sich ehrenamtlich engagiert zu haben.

Seit 10 Jahren gibt es nun schon das Jugendreferat Pfedelbach. Dieses Jubiläum wurde mit einem Festwochenende gefeiert. Am 23.9.2016 startete das Festwochenende mit dem festliche Teil. Im Jugendzentrum Freetime fanden sich rund 35 Personen ein. Neben einigen Jugendlichen – die sich extra in Schale geworfen hatten – auch Bürgermeister Kunkel, Herr Schüz vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V. in Waldenburg (der Träger des Jugendreferates), einigen Gemeinderäten, Vertretern vom Jugendamt und der örtlichen Schule sowie weitere Wegbegleiter. In kurzen Reden zeigten Bürgermeister Kunkel und Herr Schüz den Werdegang des Jugendreferates sowie dessen pädagogische Wichtigkeit auf. Jugendreferent Martin Jakob nahm die Zuhörer anschließend mit auf eine kleine Reise durch zehn Jahre, die er anhand von fünf Stationen aufzeigte. Im Anschluss wurde noch die neu gestaltete Außenanlage des Jugendzentrums eingeweiht. Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese sehr gelungen ist und einen tollen Treffpunkt darstellt.

Am Samstag folgte dann die Einweihungsparty für die Jugendlichen. Mit einer Grillparty wurde der Außenbereich noch einmal voll genutzt. Das entsprechende Wetter dazu war zum Glück gegeben.

Sonntags folgte dann noch ein „Tag der offenen Tür“ im Jugendzentrum Freetime. Dieser wurde von der Bevölkerung  genutzt, um einmal einen Blick in die Räume zu werfen. Auch einige Eltern, deren Kinder das Jugendzentrum Freetime besuchen, schauten zum ersten Mal dort vorbei und bekamen einen Eindruck davon, wo sich ihre Kinder unter der Woche aufhalten. Auch der Außenbereich war dank des tollen Wetters gut besucht und wurde zum Verweilen genutzt. Natürlich waren auch am Sonntag viele Jugendliche anwesend. Die Chance auch sonntags ins Jugendzentrum zu gehen wollten sie sich nicht entgehen lassen. Einige meinten auch, das Jugendzentrum könne ruhig jeden Sonntag geöffnet sein. Das wird aber wohl eher ein Wunsch bleiben. Dennoch war das gesamte Jubiläumswochenende ein voller Erfolg mit vielen netten Besuchern.

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