Archiv für die Kategorie ‘Jugendarbeit’

Diese Frage drängt sich mir in den letzten Tagen immer wieder auf wenn ich durch Pfedelbach laufe. Dort sehe ich seit einigen Tagen an sehr vielen Laternenpfosten, Strassenschildern und Mülleimern diese Aufkleber.

Besonders im Bereich der Schulen sind diese anzutreffen. Ich gehe davon aus, dass sie von Jugendlichen verteilt bzw. geklebt wurden. Kurz zu dem was diese Aufkleber aussagen und wofür sie stehen.

Die Jungen Nationaldemokraten (JN) sind die Jugendorganisation der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Die Gründung erfolgte 1969, der heutige Sitz der Organisation ist Dresden. Die JN bekennen sich zwar zur Ideologie und zum Grundsatzprogramm der NPD, vertreten diese Standpunkte aber wesentlich aggressiver, was sich sowohl in Demonstrationen zeigt, wie auch in polemischen Auftreten. Ihre regelmäßig erscheinende Publikation heißt „Der Aktivist“, eine weitere Zeitschrift, „Der Frontdienst“, erscheint nur unregelmäßig. Leitspruch der Jungen Nationaldemokraten ist: „Ein revolutionärer Geist! Eine sozialistische Idee! Eine aktivistische Jugend!“

Meist einmal jährlich führt die JN den „Europäischen Kongress der Jugend“ durch. Diese Veranstaltung stellt ein wichtiges Treffen innerhalb der rechtsradikalen Szene dar, und wird als Möglichkeit der internationalen Vernetzung genutzt. Die Teilnehmerzahlen bewegen sich in den letzten Jahren im Bereich von mehreren Hundert. In führenden Positionen wie dem Bundesvorstand der JN findet man immer wieder einflussreiche Personen des Neonazi-Spektrums. Frühere Abgrenzungsbeschlüsse der JN-Führung gegenüber dem Neonazi-Lager waren lediglich taktisch motiviert.

(Aus Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Junge_Nationaldemokraten)

Die JN muss aus meiner Sicht also klar unter der Kategorie „Rechtslastig“ eingestuft werden. Die Frage ist nur, wissen die Jugendlichen, die diese Aufkleber verteilen, das auch? Wenn nicht ist es einfach mangelndes Wissen und Dummheit. Was aber wenn diese Aufkleber gezielt angebracht werden? Was, wenn in Pfedelbach aktiv um junge Menschen geworben wird um sie dann für (Rechte) Ideologie zu gewinnen?

Aus meiner Arbeit als Jugendreferent und meiner Tätigkeit im offenen Jugendtreff Freetime weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es in Pfedelbach (Teilorte eingeschlossen) einige rechtsradikale Jugendliche gibt. Dazu kommen noch einige die dieser Gruppierung nahe stehen. Auch im Freetime wurden schon sogenannte Schulhof Cd`s der NPD verteilt.

Was machen wir dagegen? Was können wir tun mit dem Wissen um all diese Dinge?

Ich bin der Überzeugung, dass es vor allem an uns Erwachsenen liegt hier aktiv zu werden. Dies kann zum einen Bedeuten dass wir aktiv gegen solche Plakatierungen vorgen. Zum Beispiel indem wir diese Aufkleber einfach entfernen (auch wenn wir dazu etwas Zeit, heißes Wasser und eine Spachtel brauchen). Zum anderen geht es aber auch darum, welche Werte wir unseren Kindern und den Jugendlichen unserer Gemeinde vorleben. Die Frage die sich hier stellt lautet: Wer prägt die Jugend von Pfedelbach und wie?

Dass es in Pfedelbach und den Teilorten auch rechtseingestellte Erwachsene gibt ist unbestritten. Dies zeigt das Wahlergebnis bei den letzten Bundestagswahlen. Damals kam die NPD in Pfedelbach auf 162 Stimmen was 3,2% entsprach.

Wem also überlassen wir es die Jugend in Pfedelbach zu prägen? Die rechten Organisationen tun es anscheinend, wenn auch noch recht zaghaft. Ist das unser Ziel?

Und was ist mit Dir/Ihnen? Übernimmst Du/Sie Verantwortung für junge Menschen?

Vom 15. – 16. März 2008 fand im Freetime ein Podcast-Workshop statt. Unter Anleitung von Albrecht Ackermann, einem ausgebildeten und erfahrener Jurnalisten, wurden zwei Radiobeiträge erstellt. Die Mädels widmeten sich dem Thema „Jugend und Alkohol“ während die Jungs sich auf die Thematik der „Ego-Shooter-Computerspiele“ spezialisierten.

Beim InterviewPodcast schneidenNicht erschrecken

Es wurden Passanten auf der Strasse interviewt sowie Gäste eingeladen und befragt. Aus den ganzen Tonaufnahmen wurde dann in mühseliger Kleinarbeit am PC ein kurzer Podcast zusammengeschnitten. Die beiden Beiträge sind noch im „Feinschliff“, werden aber demnächst fertig sein und dann hier, sowie auf der Homepage des Freetime, zu hören sein. Info über die Veröffentlichung folgt hier.

Am 25.3.2008 erschien in der Hohenloher Zeitung auch ein Presseartikel über diesen Workshop. Dieser kann hier nachgelesen werden.

… ist nun zu Ende. Von Samstag Abend 17.00 Uhr bis Sonntag früh um 01.00 Uhr zockte ich mit 6 Jungs aus meinem Jugendtreff das Spiel „Counter-Strike“. Für mich war es nicht die erste LAN-Party, doch die erste „Counter-LAN“. Ich habe im Vorfeld schon etwas geübt und das war auch gut so. Trotz üben gehörte ich nicht gerade zu den Besten, doch ich konnte halbwegs mithalten.

Ich beim “Countern”Danile der ZokkerLukas zokkt ohne Schuhe

Im Vorfeld habe ich mich lange mit dem Thema „Counter-Strike“ und „Ego-Shooter“ beschäftigt (siehe Post „Ego-Shooter schüren Gewalt„) und kann nun, nachdem ich meine Jungfräulichkeit bezüglich Counter-Strike verloren habe, aus eigenen Erfahrungen berichten. Zuerst mal vorneweg: Es hat mir und den Jugendlichen echt Spass gemacht! Wir hatten eine sehr gute Zeit zusammen, denn wir haben nicht nur durchgehend gespielt sondern auch viel miteinander geredet und gemeinsam Döner gegessen.

Während der LAN musste ich feststellen, dass einen großen Unterschied darin besteht, ob man dieses Spiel alleine zu Hause spielt oder mit anderen zusammen. Teamfähigkeiten und Taktisches Geschick machen aus meiner Sicht etwa 80% bei diesem Spiel aus. Ständig sprach ich mich mit den Jungs ab wer wo hin läuft. Wir waren eben ein Team.

Gewalttätig wurde während und nach der Zockernacht keiner. Bei keinem, auch nicht bei mir selbst, konnte ich eine erhöhte Gewaltbereitschaft feststellen. Es war einfach mal was anderes!

Am nächsten Morgen waren sogar (fast) alle pünktlich um 10.30 Uhr wieder da, und das am Sonntagmorgen.

Ich kann auch im Nachhinein meine Entscheidung, eine LAN-Party im Jugendtreff zu veranstalten, vertreten. Die Jungs waren alle zwischen 16 und 21 Jahre alt. Jüngere habe ich nicht zugelassen. Wenn Jungs (oder Mädchen) in diesem Alter hin und wieder solche Ego-Shooter spielen, macht sie das mit Sicherheit nicht zu Amokläufern oder Gewalttäter. Kritisch wird es aber sicher dann, wenn ein Mensch in diese Spielwelt abtaucht und sich täglich mehrere Stunden damit besschäftigt.

Fazit: Es wird sicher noch die eine oder andere LAN-Party im Freetime geben, zusätzlich zu allem anderen was ich sonst noch anbiete.   

so sehen es zumindest die meisten Erwachsenen und viele Politiker. Nicht erst seit dem Amoklauf von Erfurt  am 26. April 2002, bei dem Robert Steinhäuse zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten tötet, bevor er sich selbst erschoss, gibt es eine große Debatte über die sogenannten Ego-Shooter-Computerspiele. Diese Spiele, bei denen es angeblich nur darauf ankommt seine Gegner schnell und gezielt zu töten, würden bei Kindern und Jugendlichen die Gewaltbereitschaft erhöhen. In vielen Studien wurde dies mittlerweile auch nachgewiesen. Unter anderem in einer Studie von Jessica Nicoll und Kevin M. Kieffer von der Saint Leo Universität bestätigen diese These.

Doch es gibt auch Studien die genau das Gegenteil bestätigen. So kommt eine Studie vom Beth Israel Medical Center und der Iowa State University zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die mindestens drei Stunden pro Woche vor der Spielekonsole verbringen, 37 Prozent weniger Fehler machen würden. Auch seien die spielenden Ärzte deutlich schneller: Im Schnitt bräuchten sie 27 Prozent weniger Zeit für die notwendigen Operationen.

Auch Nikolaos Kyriakidis (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der RUB) fragt einmal umgekehrt: Was können die Spiele für die Sozialisation Jugendlicher eigentlich leisten? Fazit seiner Arbeit „Fun, Anyone!? Jugendliche Sozialisation und die Faszinationskraft von Video- und Computerspielen“ : Im Umgang mit Problemen können die Spiele den Heranwachsenden tatsächlich helfen. Die Spieler selbst gehen völlig entspannt mit den Spielen um, und die Gesellschaft täte gut daran, ebenfalls entspannt zu bleiben.

Nun könnte ich hier Stunden damit verbringen verschiedenste Studien aufzulisten. Doch das ist nicht mein Bestreben.  Für mich stellt sich hier vielmehr eine ganz andere Frage: Machen Ego-Shooter Jugenliche zu potentiellen Amokläufern oder spielen potentielle Amokläufer gerne Ego-Shooter?

Fakt ist, dass etwa 90 % der männlichen Jugendlichen in meinem Jugendtreff regelmäßig Counter Strike  spielen oder schon gespielt haben. Doch keiner von ihnen ist bisher Amok gelaufen. Auch legen sie m. E. kein besonders erhöhtes Aggressionsverhalten an den Tag. Sie alle sind „ganz normale Jungs“. Im Gespräch mit ihnen erzählen mir die meisten, dass ihnen bewusst sei dass es in den Spielen um töten ginge, sie desshalb aber trozdem nicht wirklich töten würden. Sie könnten zwischen Realität und Spiel unterscheiden, meinen sie. Außerdem ginge es bei Counter-Strike in erser Linie um Taktik und Strategie und nicht so sehr um das töten.

So war klar, dass immer wieder der Wunsch nach einer LAN-Party in meinem Jugentreff Freetime geäußert wurde. Auf meine Frage, was bei einer solchen LAN-Party für ein Spiel gespielt werden solle, gab es nur eine Meinung: Counter-Strike.

Nun musste ich mich dem Thema stellen und mir selbst ein Bild davon machen. Was ist Counter Strike? Wie geht es? Ab welchem Alter ist es freigegeben? Kann ich es vertreten dass solch ein Spiel in meinem Jugentreff gespielt wird?

Ich kaufte mir also das Computerspiel „Counter-Strike: Condition Zero“ und installierte es auf meinem Notebook. Schnell fand ich in das Spiel hinein und erlernte die Handhabung und die Steuerung. Seither spiele ich immer wieder dieses Spiel. Ich versuche Missionen zu gewinnen indem ich Terroristen ausschalte und Geiseln befreie.

Nach nun einer Woche „testen“ muss ich sagen. Counter-Strike spielen macht echt Spaß. Seit ich es selbst spiele verstehe ich die Jugendlichen, die von diesem Spiel begeistert sind. Nicht umsonst ist es das NR. 1 Spiel auf LAN-Partys. Mittlerweile gibt es schon Meisterschaften (sogar Weltmeisterschaften) bei denen Teams (sogenannte Clans) gegeneinander antereten. Das Preisgeld liegt dabei bei mehreren 10.000 Euro für die Sieger.

Ich erlebe gerade selbst, dass es bei diesem Spiel vor allem um Taktik und Teamarbeit geht. Nur durch gute Kommunikation mit den Mitspielern und durch überlegtes Vorgehen kann man in diesem Spiel bestehen. Trotz allem geht es letztlich in Counter-Strike darum, Terroristen am legen einer Bombe zu hindern oder Geiseln zu befreien. Dies geschieht durch gezieltes töten. Ist das OK? Darf ich jemanden, wenn auch nur virtuell, töten? Können Jugendliche (und Erwachsene) wirklich irgendwann nicht mehr zwischen Realität und Computerspiel unterscheiden?

Darf ich also ein solches Spiel, unter Betrachtung der oben angeführten Aspekte, nun im Jugendtreff spielen oder nicht? Besser gefragt: Lass ich es zu, dass in meinem Jugendtreff Counter-Strike gespielt wird?

Ich habe mich entschieden es zu wagen. Auschlaggebend für diese Entscheidung war mein Selbsttest. Jedoch werde ich einige Beschränkungen einhalten.

1. Altersfreigabe

Die Version die ich mir gekauft habe hat keine Jugendfreigabe und kommt somit schon aus rechtlicher Sicht nicht für meine LAN-Party in Frage. Es gibt jedoch auch eine Version (Counter-Strike: Source) die ab 16 Jahren freigegeben ist. Diese werde ich einsetze. Es dürfen dann auch nur Jugendliche ab 16 Jahre an der LAN-Party teilnehmen.

2. Ausschließlichkeit

Counter-Strike wird während der LAN-Party auf den beiden Computern des Freetime installiert werden, danach jedoch wieder von mir entfernt. So ist gewährleistet, dass während des normalen Beriebes im Jugendtreff keine Personen unter 16 Jahren Counter-Strike spielen werden. Außerdem wird die LAN-Party zeitlich begrenzt sein.

Mein Fazit:

Computerspiele im allgemeinen, und Ego-Shooter im speziellen, sind mittlerweile Teil unseres Kulturgutes. Sie sollten weder verteufelt noch zu sehr gelobt werden. Sie gehören mittlerweile so selbstverständlich zur Lebenswelt der postmodernen Generation dazu, wie es für frühere Generationen Haustiere oder Gesellschaftsspiele waren. Es stecken sicher Gefahren dahinter (wo gibt es sie nicht?), doch sollte die Debatte darüber etwas gelassener geführt werden. Ich glaube nicht dass Ego-Shooter wie Counter-Strike dafür verantwortlich sind, dass Jugendliche und Erwachsene plötzlich Amoklaufen. Solche Taten ausschließlich als Auswirkungen solcher Computerspiele zu bewerten ist viel zu oberflächlich. Amokläufer, oder generell gewaltbereite Jugendliche, haben mit Sicherheit entweder psychische Störungen (woher kommen die?) oder Defizite in ihrer Entwicklung, ihrem Denken oder ihrer Persönlichkeit, welche alle von  Kindheit an geprägt werden.

Es ist gut dass Computerspiele wie Counter-Strike keine oder nur beschränkte Altersfreigaben bekommen. denn m. E. gehen Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren mit solche spielen nochmal anders um als etwa 12-jährige. Eine Altersfreigabe unter 16 Jahren würde ich nicht befürworten. Dass trotz Altersbeschränkung Kinder unter 16 Jahren diese Spiele spielen sehe ich sehr kritisch. Hier sind m. E. vor allem die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern Grenzen zu setzten und so auch Verantwortung für sie zu übernehmen.

Wer ein JA zur Bundeswehr und zur Terrorbekämpfung hat, kann m. E. nichts verwerfliche daran finden, dass angehende Wehrpflichtige Jugendliche (ab16 Jahre) am Computer gegen Terroristen kämpfen und Geiseln aus deren Hand befreien.  

P.S.: Ich werde nach der LAN-Party noch einmal über meine Erfahrungen posten!