Archiv für die Kategorie ‘Jugendarbeit’

Ich hatte versprochen, von meinem Vorhaben, mit einigen Jugendlichen 1. Mai Streiche zu organisieren, zu berichten. Wie in meinem letzten Bericht erwähnt, ging es mir vor allem darum, Jugendlichen die Grenze zwischen Vandalismus und vertretbaren Streichen aufzuzeigen und mit ihnen coole Streiche durchzuführen. Das haben wir letztlich auch gemacht.

Ein Streich hat es sogar in die Hohenloher Zeitung geschafft. Unser Transparent, welches wir in mühevoller Arbeit gemeinsam gestaltet hatten, hing drei Tage lang am Rathau, bevor es vom Bauhof entfernt wurde. Das Transparent verwandelte das Pfedelbacher Rathaus in die „VFB-Fanzentrale Pfedelbach“, deren Geschäftsführer unser Bürgermeister und bekennender VFB-Fan Torstene Kunkel wurde.

Der zweite Streich lies so manchen Autofahrer zweifeln. Am Pfedelbacher Ortschild, an dem man noch am 30. April  2010 nach Pfedelbach hinein fuhr, befand man sich ab dem 1. Mai plötzlich in Schlupfhausen. Das, mit viel Geduld und Präzision gestaltet, Ortsschild sah dem orginal täuschend ähnlich und sorgte bei manchem Autofahrer auch für ein Schmunzeln.

Es war für mich und die beteiligten Jugendlichen eine sehr geniale Erfahrung. Auch die Anerkennung der Bürger und speziell die des Bürgermeisters, der das Transparent fotografierte und das Foto an den Präsidenten des VFB Stuttgart schickte, taten allen sehr gut. Das Ortsschild hängt mittlerweile in unserem Jugendraum an der Wand während das Rathaus-Transparent bei Bürgermeister Kunkel landete. Er wollte es unbedingt mit nach Hause nehmen.

Wo ist eigentlich die Grenze zwischen Streich und Vandalismus? Wo hört der Spaß auf und fängt der Ernst an?

Sehr deutlich stellt sich mir diese Frage jedes Jahr am 1. Mai (genauer gesagt nach der Nacht zum 1. Mai). Mir ist in den vier Jahren, in denen ich nun in Pfedelbach lebe, aufgefallen, dass jedes Jahr in der Nacht zum 1. Mai sehr viel „Schweinerei“ verursacht wird. Da sind Kinder und Jugendliche unterwegs, die nichts besseres zu tun haben als bewaffnet mit rohen Eiern, Ketchup, Rassierschaum und Zahnpasta die örtlichen Spielplätze und öffentliche Gebäude zu beschmiere. Dabei verursachen sie zum Teil enormen Sachschaden und vor alle rufen sie viel Ärger bei Erwachsenen hervor. Sie sehen das Ganze als Spaß und Streich an. Doch wie oben schon geschrieben muss die Frage lauten: Wann ist es kein Spaß mehr? Und wer bringt es den Kindern bei, was ein echter Streich ist?

Ich habe beschlossen, in diesem Jahr selbst mal wieder nachts aktiv zu sein und Streiche durchzuführen. Ich werde aber nicht alleine losziehen, sondern mir einige dieser Kinder/Jugendlichen schnappen und ihnen beibringen, was ein richtiger Streich ist, über den andere dann auch lachen können.

Ich hab da schon so ein paar Ideen, aber die werden frühestens am 2. Mai verraten :-). Ich werde darüber berichten.

Habe hier eine kurze Kolumne von Roland Bender aus dem Magazin „Lachende Sozialarbeit“ 12/2008 die ich sehr gut finde und gerne mit meinen Lesern teile.

Als ich noch in Aachener arbeitete, kam eines abends Kurt, einer unserer treuesten Gäste  mit hängenden Flügeln zu uns in den Jugendtreff und erklärte, der Hausmeister des Hauses, in dem seine Freundin wohne, verweigere ihm bei seiner Freundin zu übernachten. „Darf der das eigentlich?“ fragte Kurt mit typisch doofem Gesicht. „Augenblick, das haben wir gleich …“ erwiderten wir mit kluger Miene und zogen uns in das Büro zurück. Aus dem Augenblick wurden zwei Stunden, in denen wir gemeinsam alle möglichen Gesetzestexte durchackerten und alle Leute rausschmissen, die und bei unserer Arbeit störten.

Schließlich hatten wir eine ganze Reihe von Paragraphen ausfindig gemacht, die Kurts Anliegen als Recht und des Hausmeisters Haltung als Unrecht belegten. Als Kurt das Jugendzentrum verließ, war er zu 110% gewappnet mit juristischen Argumenten, und wir waren stolz und sicher, dass Kurt in Zukunft bei seiner Freundin übernachten könne.

Am folgenden Tag kam Kurt strahlend wieder. Wir stürzten uns natürlich gleich auf ihn, um von ihm zu hören wie sehr wir ihm geholfen hätten. „Und … wie ist es gelaufen?“ „Was …?“ „Na mit dem Hausmeister?!“ Kurt musste kurz nachdenken. „Ach so, mit dem …“ „Ja, hast du ihm deine Rechte mal auf die Nase gebunden?“ „Nee, hab ich nicht. War mir zu blöd.“ „Wie …?“ „Na ich bin gestern Abend noch an der Tankstelle vorbei, hab ein paar Pullen Bier geholt, hab dem Hausmeister zwei rüber geschoben und da war alles paletti!“

Roland Berner

Leiter Kernteam Jugend und Migration

Vor kurzem habe ich über unseren Travel Bug und dessen kurze Reise gepostet. Ich war sehr geknickt und entäuscht dass er gestohlen wurde. Nun ist er unverhofft wieder aufgetaucht und setzt seine Reise fort. Hier kann man ihn verfolgen.