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Ich habe ein Fahrrad gefunden

Veröffentlicht: 11. März 2008 in Allgemeines, Erlebnisse, Gedanken

Als ich heute mit meinen beiden Kindern spazieren war, entdeckte ich in einem Gebüsch an der Pfedelbacher Turnhalle ein Fahrrad. Ich trat näher und sah sofort dass es total kaputt war. Das Vorderrad und der Sattel fehlten. Die Bremse und das Schaltwerk waren verbogen, ebenso der Hinterreifen und die Speichen. Außerdem war es total verdreckt, verbogen und sämtliche Bautenzüge waren herausgerissen. Irgendwie kam mir das Fahrrad bekannt vor. Als ich es aus dem Busch gezogen hatte und es mir näher betrachtete, erkannte ich dass es mein eigenes war. Mir war bis dahin nicht aufgefallen dass es fehlt. Ich habe mein Fahrrad immer bei mir zu Hause im Hof abgestellt. Irgend jemand muss es von dort gestohlen und dann so zugerichtet haben. Ich habe es dann mitgenommen und ersteinmal bei mir im Keller untergestellt.

 Rest meines Fahrrads                          Rest meines Fahrrads

Mein Gefühle zu diesem Vorfall schwanken zwischen Entäuschung, Wut, Traurigkeit und Fassungslosigkeit. Wer tut so etwas und warum tut er oder sie soetwas? Was veranlasst einen Menschen dazu, einem anderen etwas zu stehlen und es dann mutwillig zu zerstören?

Ich musste nun leider schmerzlich feststellen dass wir hier in Pfedelbach nicht auf dem Land leben. Sicher werden auf dem „Land“ auch Dinge gestohlen, doch ich habe heute Abend im Jugendtreff erfahren dass in Pfedelbach wohl regelmäßig Fahrräder, vor allem an den Schulen, gestohlen werden. Ich werde also ersteinmal darauf hoffen dass die Polizei oder ich selbst den oder die Täter finden. Zum anderen werde ich in Zukunft mehr darauf achten, wo und wie ich meine Besitztümer abstelle. Wenigstens ist an meinem Fahrrad, oder was eben noch davon übrig ist, noch die Kupplung für unseren Fahrrad-Kinder-Anhänger dran. Ein schwacher Trost, doch immerhin etwas.

Mal sehen ob sich der oder die Diebe noch feststellen lassen. Ich weiß aber ehrlich gesagt noch gar nicht was ich ihm oder ihnen sagen würde wenn ich ihn oder sie treffen würde. 

so sehen es zumindest die meisten Erwachsenen und viele Politiker. Nicht erst seit dem Amoklauf von Erfurt  am 26. April 2002, bei dem Robert Steinhäuse zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten tötet, bevor er sich selbst erschoss, gibt es eine große Debatte über die sogenannten Ego-Shooter-Computerspiele. Diese Spiele, bei denen es angeblich nur darauf ankommt seine Gegner schnell und gezielt zu töten, würden bei Kindern und Jugendlichen die Gewaltbereitschaft erhöhen. In vielen Studien wurde dies mittlerweile auch nachgewiesen. Unter anderem in einer Studie von Jessica Nicoll und Kevin M. Kieffer von der Saint Leo Universität bestätigen diese These.

Doch es gibt auch Studien die genau das Gegenteil bestätigen. So kommt eine Studie vom Beth Israel Medical Center und der Iowa State University zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die mindestens drei Stunden pro Woche vor der Spielekonsole verbringen, 37 Prozent weniger Fehler machen würden. Auch seien die spielenden Ärzte deutlich schneller: Im Schnitt bräuchten sie 27 Prozent weniger Zeit für die notwendigen Operationen.

Auch Nikolaos Kyriakidis (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der RUB) fragt einmal umgekehrt: Was können die Spiele für die Sozialisation Jugendlicher eigentlich leisten? Fazit seiner Arbeit „Fun, Anyone!? Jugendliche Sozialisation und die Faszinationskraft von Video- und Computerspielen“ : Im Umgang mit Problemen können die Spiele den Heranwachsenden tatsächlich helfen. Die Spieler selbst gehen völlig entspannt mit den Spielen um, und die Gesellschaft täte gut daran, ebenfalls entspannt zu bleiben.

Nun könnte ich hier Stunden damit verbringen verschiedenste Studien aufzulisten. Doch das ist nicht mein Bestreben.  Für mich stellt sich hier vielmehr eine ganz andere Frage: Machen Ego-Shooter Jugenliche zu potentiellen Amokläufern oder spielen potentielle Amokläufer gerne Ego-Shooter?

Fakt ist, dass etwa 90 % der männlichen Jugendlichen in meinem Jugendtreff regelmäßig Counter Strike  spielen oder schon gespielt haben. Doch keiner von ihnen ist bisher Amok gelaufen. Auch legen sie m. E. kein besonders erhöhtes Aggressionsverhalten an den Tag. Sie alle sind „ganz normale Jungs“. Im Gespräch mit ihnen erzählen mir die meisten, dass ihnen bewusst sei dass es in den Spielen um töten ginge, sie desshalb aber trozdem nicht wirklich töten würden. Sie könnten zwischen Realität und Spiel unterscheiden, meinen sie. Außerdem ginge es bei Counter-Strike in erser Linie um Taktik und Strategie und nicht so sehr um das töten.

So war klar, dass immer wieder der Wunsch nach einer LAN-Party in meinem Jugentreff Freetime geäußert wurde. Auf meine Frage, was bei einer solchen LAN-Party für ein Spiel gespielt werden solle, gab es nur eine Meinung: Counter-Strike.

Nun musste ich mich dem Thema stellen und mir selbst ein Bild davon machen. Was ist Counter Strike? Wie geht es? Ab welchem Alter ist es freigegeben? Kann ich es vertreten dass solch ein Spiel in meinem Jugentreff gespielt wird?

Ich kaufte mir also das Computerspiel „Counter-Strike: Condition Zero“ und installierte es auf meinem Notebook. Schnell fand ich in das Spiel hinein und erlernte die Handhabung und die Steuerung. Seither spiele ich immer wieder dieses Spiel. Ich versuche Missionen zu gewinnen indem ich Terroristen ausschalte und Geiseln befreie.

Nach nun einer Woche „testen“ muss ich sagen. Counter-Strike spielen macht echt Spaß. Seit ich es selbst spiele verstehe ich die Jugendlichen, die von diesem Spiel begeistert sind. Nicht umsonst ist es das NR. 1 Spiel auf LAN-Partys. Mittlerweile gibt es schon Meisterschaften (sogar Weltmeisterschaften) bei denen Teams (sogenannte Clans) gegeneinander antereten. Das Preisgeld liegt dabei bei mehreren 10.000 Euro für die Sieger.

Ich erlebe gerade selbst, dass es bei diesem Spiel vor allem um Taktik und Teamarbeit geht. Nur durch gute Kommunikation mit den Mitspielern und durch überlegtes Vorgehen kann man in diesem Spiel bestehen. Trotz allem geht es letztlich in Counter-Strike darum, Terroristen am legen einer Bombe zu hindern oder Geiseln zu befreien. Dies geschieht durch gezieltes töten. Ist das OK? Darf ich jemanden, wenn auch nur virtuell, töten? Können Jugendliche (und Erwachsene) wirklich irgendwann nicht mehr zwischen Realität und Computerspiel unterscheiden?

Darf ich also ein solches Spiel, unter Betrachtung der oben angeführten Aspekte, nun im Jugendtreff spielen oder nicht? Besser gefragt: Lass ich es zu, dass in meinem Jugendtreff Counter-Strike gespielt wird?

Ich habe mich entschieden es zu wagen. Auschlaggebend für diese Entscheidung war mein Selbsttest. Jedoch werde ich einige Beschränkungen einhalten.

1. Altersfreigabe

Die Version die ich mir gekauft habe hat keine Jugendfreigabe und kommt somit schon aus rechtlicher Sicht nicht für meine LAN-Party in Frage. Es gibt jedoch auch eine Version (Counter-Strike: Source) die ab 16 Jahren freigegeben ist. Diese werde ich einsetze. Es dürfen dann auch nur Jugendliche ab 16 Jahre an der LAN-Party teilnehmen.

2. Ausschließlichkeit

Counter-Strike wird während der LAN-Party auf den beiden Computern des Freetime installiert werden, danach jedoch wieder von mir entfernt. So ist gewährleistet, dass während des normalen Beriebes im Jugendtreff keine Personen unter 16 Jahren Counter-Strike spielen werden. Außerdem wird die LAN-Party zeitlich begrenzt sein.

Mein Fazit:

Computerspiele im allgemeinen, und Ego-Shooter im speziellen, sind mittlerweile Teil unseres Kulturgutes. Sie sollten weder verteufelt noch zu sehr gelobt werden. Sie gehören mittlerweile so selbstverständlich zur Lebenswelt der postmodernen Generation dazu, wie es für frühere Generationen Haustiere oder Gesellschaftsspiele waren. Es stecken sicher Gefahren dahinter (wo gibt es sie nicht?), doch sollte die Debatte darüber etwas gelassener geführt werden. Ich glaube nicht dass Ego-Shooter wie Counter-Strike dafür verantwortlich sind, dass Jugendliche und Erwachsene plötzlich Amoklaufen. Solche Taten ausschließlich als Auswirkungen solcher Computerspiele zu bewerten ist viel zu oberflächlich. Amokläufer, oder generell gewaltbereite Jugendliche, haben mit Sicherheit entweder psychische Störungen (woher kommen die?) oder Defizite in ihrer Entwicklung, ihrem Denken oder ihrer Persönlichkeit, welche alle von  Kindheit an geprägt werden.

Es ist gut dass Computerspiele wie Counter-Strike keine oder nur beschränkte Altersfreigaben bekommen. denn m. E. gehen Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren mit solche spielen nochmal anders um als etwa 12-jährige. Eine Altersfreigabe unter 16 Jahren würde ich nicht befürworten. Dass trotz Altersbeschränkung Kinder unter 16 Jahren diese Spiele spielen sehe ich sehr kritisch. Hier sind m. E. vor allem die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern Grenzen zu setzten und so auch Verantwortung für sie zu übernehmen.

Wer ein JA zur Bundeswehr und zur Terrorbekämpfung hat, kann m. E. nichts verwerfliche daran finden, dass angehende Wehrpflichtige Jugendliche (ab16 Jahre) am Computer gegen Terroristen kämpfen und Geiseln aus deren Hand befreien.  

P.S.: Ich werde nach der LAN-Party noch einmal über meine Erfahrungen posten! 

Es ist traurig aber wahr. Der erste Drogentote 2008 im Hohenlohekreis wurde am Samstag den 16. Februar in Pfedelbach aufgefunden. Der 24-jähriger Mann aus Bretzfeld starb in der Wohnung einer Bekannten in Pfedelbach an einer Überdosis.
Damit bestätigt sich, was ich schon 2006 während meines Sachstandberichtes im Gemeinderat über die Jugendarbeit in Pfedelbach sagte. Damals wurde ich von der Presse mit den Worten zitiert: „Ehemaliges Bauernkaff hat Probleme einer Stadt“. Sicher ist Pfedelbach noch keine Großstadt (mit 9.000 Einwohnern ja noch nicht einmal Stadt sondern „nur“ Gemeinde) doch städtische Strukturen sind auch hier vorhanden. Und dazu gehört (leider) auch eineDrogenszene.

In der Hohenloher Zeitung fand ich vor kurzem diesen Artikel über Pfedelbach:

Drogen (1)

Immer wieder stellen Erwachsene mir die Frage, ob ich glaube dass es in Pfedelbach Drogen geben würde? Ein klares JA! ist meine prompte Antwort darauf, was die meisten verblüfft. Sie wollen oder können es nicht glauben, dass es in „unserem schönen kleinen Pfedelbach“, das mit Teilorten gerade einmal 9.000 Einwohner hat, so etwas wie Drogen geben soll.
Mein klares und promptes JA! kommt deshalb so schnell und überzeugend über meine Lippen, da ich als Jugendreferent Einblicke in die Pfedelbacher Jugendszene habe. Somit bin ich recht gut über den aktuellen Stand im Bereich Drogenkonsum in Pfedelbach informiert. Auch wenn das manch Erwachsener oder Politiker nicht wahr haben will, in Pfedelbach gibt es alle Drogen die man will, auch Heroin. Sicher ist die Situation nicht mit der einer Großstadt wie Heilbronn oder Stuttgart zu vergleichen.
Doch wenn ich mich mit Jugendlichen unterhalte, und wir über das Thema Drogenkonsum sprechen, bekomme ich als Statement zu hören: „In Pfedelbach kriegst du alles was du willst, kein Problem!“ Und solche Aussagen komme von 14 – 18-jährigen Jugendlichen.

Ich weiß nicht wer die beiden jungen Männer aus dem Presseartikel sind, noch ob es sich dabei um Pfedlbacher Bürger handelt. Doch ich weiß genau, dass es Pfedelbacher sein und ich sie durchaus kennen könnte.

Was also tun gegen den Konsum von Drogen in Pfedelbach?

–  Mehr Polizei?
–  Mehr Drogenaufklärung an Schulen?
–  Härtere Strafen für Dealer und Konsumenten?
–  Eine Drogenberatungsstelle in Pfedelbach einrichten?

All das sind Vorschläge und Ideen die sicher nicht schlecht sind. Ich vertrete jedoch auch noch einen anderen Ansatz: Mehr echte Beziehungen in Familien und Gesellschaft. Beziehunhen die tragfähig sind und von echter Liebe, Wertschätzung und Vertrauen geprägt sind. Mehr Eltern die mit ihren Kindern echte Zeit verbringen. Zeit die geplant und sinnvoll genutzt wird, nicht Zeit in der alle einfach nur zusammen sind. Ich glaube, dass die Grundlagen für feste Beziehungen, und somit für ein starkes Selbstwertgefühl, in der Kindheit gelegt wird. Dieses Selbstwertgefühl, und die damit verbundene Selbstsicherheit, sind aus meiner Sicht wesentlich mitentscheidend dafür, wie Jugendliche mit Drogen umgehen. Ich schreibe hier ganz bewusst „umgehen“ und nicht  „ob sie Drogen nehemen oder nicht“. Unsere Kinder, auch meine eigenen, werden früher oder später mit Drogen in Kontakt kommen. Ich werde dann mit Sicherheit nicht dabei sein und meine Kinder davor schützen können. Wenn es soweit ist, muss ich einen Großteil meiner „Arbeit“ bereits getan haben, nämlich in meinen Kindern so viel Selbstvertrauen und Selbstsicherheit hervorgebracht haben, dass sie dann NEIN! sagen können.

Weitere Informationn zum Thema Drogen finden sie hier!