Archiv für die Kategorie ‘Erlebnisse’

Letzte Woche hatte ich eine sehr interessante Begegnung mit einer Person, die mein Herz sehr berührt hat. Ich war gerade beim Schießtraining im Schützenverein Pfedelbach, als ein Großvater mit seinem Enkel dort vorbei kam um sich den Verein einfach mal anzusehen. Als ich mich mit meinem Namen vorstellte, meinte er, er hätte schon von mir gelesen. Es entwickelte sich ein sehr angenehmes und inspiriendes Gespräch über die Jugendarbeit im Allgemeinen und die offene Jugendarbeit im Besonderen.

Was mich dabei so sehr begeistert hat, war – neben dem Inhalt des Gespräches – vor allem die Liebe und die Leidenschaft dieses älteren Herren für die Jugendarbeit. Ich spürte sofort, dass sein Herz für die junge Generation brannte. Und dieses Brennen, geparrt mit der liebevollen Art die dieser Mann ausstrahlte, beeindruckte mich sehr.

Ich fand und finde es einfach genial, wenn Menschen einer älteren Generation ein Herz für die ihnen nachfolgenden Generationen haben und sich für deren Belange engagieren und einsetzten. Ältere Menschen, die über die „Jugend von heute“ nur schimpfen und lästern, kenne ich genug. Doch was ich mir wünsche sind viel mehr Mensch wie diesen Herr. Nicht nur hier in Pfedelbach, Öhringen oder Hohenlohe, sondern überall auf dieser Erde. Und dank Facebook habe ich nun sogar auch gleich Kontakt zu ihm aufnehmen können. Das finde ich genial.

Lieber Herr … , sie haben mich sehr beeindruckt und Spuren bei mir hinterlassen. Es waren zwar nur etwa 30 Minuten in denen wir uns unterhalten haben, doch diese waren sehr wertvoll für mich. Vielen Dank für ihre offene, warmherzige und liebenswerte Art. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch einmal, ich würde es mir sehr wünschen.

Der Winter hat begonnen, und als ich nun zum ersten Mal zum Schneeschippen draußen war, wurde ich von zwei älteren Menschen angesprochen, ob ich nicht ihren Geweg auch mit räumen könnte. Sie würden mich selbstverständlich dafür bezahlen. Ich sagte ihnen dass ich ihnen nicht garantieren könne, jeden Tag auch da zu sein wenn es schneit. Doch dann fiel mir ein, dass ein 14-jähriger Junge aus dem Jugendtreff in dem ich arbeite mich mal gefragt hat, ob ich nicht wüsste, wie er sich etwas Geld verdienen könne. Ich brachte ihn ins Spiel und schlug ihn den beiden älteren Herrschaften vor. Doch beide lehnten ab. „Nein danke, das hat keinen Wert, das wird eh nichts“, war ihre Reaktion.

Woher kommt dieses Misstrauen gegenüber jungen Menschen? Haben Jugendliche im allgemeinen einen so schlechten Ruf dass man ihnen kaum noch etwas zutraut? Liegt es am Verhalten Einzelner von dem die Menschen auf alle schließt? (Was der Mensch an Sich ja gerne tut).

Nun werden die beiden Herrschaften, trotz ihrem bereits fortgeschrittenen Alters, lieber selbst den Schnee wegräumen wenn ich mal nicht da sein kann, anstatt einem jungen Menschen die Chance zu geben sich zu beweisen. Schade eigentlich, wie ich finde!

2009 fand zum ersten Mal ein Geocaching Wochenede im Jugendhaus Pfedelbach statt. In gut einer Stunde starte ich mein zweites Geocaching Wochenende mit 7 Jungs aus meinem Jugendhaus. Gemeinsam werden wir von heute (Freitagabend) bis Sonntagnachmittag auf „Schatzsuche“ gehen. Ich freu mich drauf, hab nämlich sehr geniale Caches ausgesucht. Wir erkunden alte Bunker der 1935 -1938 erstellten Neckar-Enz-Stellung sowie einige verlassene Häuser rund um Stuttgart/Ludwigsburg. Das wird Abenteuer und Nervenkitzel  pur!

Die meisten Kinder sind ab und an mal etwas frech. Normal ist auch, dass Jugendliche – vor allem in der Pupertät – ihre Grenzen und die der Erwachsenen austesten. Damit habe ich jede Woche zu tun, das gehört zu meinem Job als Jugendreferent und Jugendhausleiter. Daran habe ich mich gewöhnt und ich weiß auch um die Wichtigkeit dieser Erfahrungen für Jugendliche. Sehr oft diskutiere und debattiere ich auch mit Jugendlichen über deren Verhalten, ihre Ansichte, Rechte und Pflichten oder über Themen wie Freundschaft, Sexualität, Verhältnis zu den Eltern und gegenseitigen Respekt. Diese Diskussionen liebe ich und halte sie für sehr, sehr wichtig.

Aktuell „muss“ ich mich jedoch mit einigen Jugendliche hier in Pfedelbach auseinandersetzen, mit denen man über solche Themen nicht diskutieren kann, ohne jedes mal nur einen dummen Spruch oder ein hämisches Grinsen zurück zu bekommen. Das große Problem an diesem „Fall“ ist, dass die Betroffenen keinerlei Respekt vor irgend jemanden haben und noch dazu anscheinend keine Grenzen kennen. Selbst der Respekt vor der Polizei ist nicht vorhanden.

Diese Auseinadersetzung kostet mich zum einen sehr viel Nerven, aber auch Kraft und Arbeitszeit. Das wäre alles kein Problem, wenn am Horizont ein kleiner Schimmer von Hoffnung auf Besserung aufleuchten würde auf den ich zuarbeiten könnte. Doch dem ist in diem Fall nicht so. Es scheint so, als sei bei diesen Jugendlichen im Alter zwischen 13 – 15 Jahren schon jegliche Bemühung vergebens.

Was also tun mit solchen jungen Menschen, die zum einen ein wirkliche Problem für die Öffentlichkeit darstellen, zum anderen aber doch wieder nur die Leidtragenden fehlender Erzieherung sind?

Das Elternhaus spielt in solchen Fällen sicherlich eine große Rolle. Doch frage ich mich auch, welche Rolle wir als Gesellschaft darin spielen? Denn ein Stück weit sind solche Kinder und Jugendliche auch das „Produkt“ unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die immer mehr das Individuum und dessen Rechte hervorhebt. Eine Gesellschaft, die jungen Menschen in vielen Bereichen vorlebt, dass es in erster Linie darum geht, nach sich selbst zu schauen und seine eigenen Rechte zu kennen. Mit dieser „Vorbildhaltung“ fördern wir indirekt solches egozentrisches und respektloses Verhalten.

Es gibt natürlich noch viele weitere Faktoren die eine Rolle spielen, doch eines steht für mich fest: Ich werde als Jugendreferent und als Bürger von Pfedelbach nicht wegschauen und auch nicht zulassen, dass Kinder und angehende Jugendliche alte Menschen, Mütter mit Kindern, Gleichaltrige und Kinder auf dem Spielplatz terrorisieren und drangsalieren.

Ich schau hin und tu was! Du auch?