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Zum dritten Mal nahm das Jugendzentrum Freetime beim Firmen- und Vereinspokalschießen des Schützenverein Pfedelbach teil. Dieses Jahr gingen neben drei Luftgewehr-Jugendmannschaften erstmals auch eine Kleinkalibermannschaft an den Start.

Nach nur einem Trainingsabend wurde es für alle 13 Starter des Freetime am Freitag den 3. Mai um 18 Uhr ernst. Das Wertungsschießen stand an. Während die unter 18-jährigen im Luftgewehrstand auf die Jagd nach guten Ergebnissen gingen, versuchten sich Thomas Ruder, Sergej Dudenko, Mrcin Pietzko und Jugendreferent Martin Jakob im Kleinkaliberschießen. Mit 14 Mannschaften war hier die Konkurrenz jedoch am größten. Ein Platz unter den besten acht war das Ziel.

Die Jugendlichen schossen parallel in drei Teams um die Luftgewehrpokale mit. Einige waren mit ihren Ergebnissen ganz zufrieden, andere wiederum haderten mit sich und ihrer Leistung. Unklar war, ob es zur Titelverteidigung reichen würde.

Am Samstag den 11. Mai war dann die Siegerehrung. Gespannt wartete man auf die Ergebnisse. Mit den Plätzen 3, 4 und 5 in der Disziplin Luftgewehr-Jugend konnte man drei Pokale erkämpfen, jedoch den Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Große Spannung dann bei der Verkündigung der Ergebnisse des Kleinkaliberschießens. Als die neuntplzierte Mannschaft genannt wurde war klar, dass unser Ziel, unter die ersten acht Mannschaften zu kommen, erreicht war. Doch wie weit nach vorne sollte es noch gehen? Das war die große Frage. Als die Viertplazierten verkündet wurde und die Mannschaft Freetime noch immer nicht genannt war, stieg die Spannung nochmals. Letztlich reichte es zu einem sensationellen zweiten Platz, und das bei der ersten Teilnahme in dieser Disziplin.

So konnten wir bei vier Starts auch vier Pokal mit nach Hause bzw. mit ins Jugendzentrum nehmen. Dort wird es auf dem Pokalregal so langsam eng. Sollten die Jugendlichen auch im nächsten Jahr wieder so erfolgreich sein (was sie definitiv vorhaben) muss unser Regal wohl verlängert werden. Doch das soll dann das kleinste Problem sein.

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Bereits zum dritten Mal fand in den Herbstferien eine sogenannte „Get X-treme“ Tour statt. Der Name ist dabei Programm. Extrem soll es zugehen bei solchen Touren. Ziel ist es an die eigenen (Leistungs) Grenzen zu kommen, diese zu erweitern, sich selbst zu überwinden und dabei viel über sich selbst zu lernen.

Unter diesem Aspekt ging es am Freitag den 2. November um 9 Uhr im Jugendzentrum Freetime los. Jeremy und Jermane Melzig, Dawid, Dominik und Daniel Pietzko sowie Jannik Keller – alle zwischen 12 und 14 Jahre alt – waren bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Begleitet wurden sie von Jugendreferent und Erlebnispädagoge Martin Jakob sowie Niko Warth, ebenfalls Erlebnispädagoge.

Zu Beginn wurden die Regeln und Ziele besprochen. Klar war von Anfang an: Wir werden kein Essen von zu Hause mitnehmen und auf unserem Fußmarsch alles was wir brauchen (Isomatte, Schlafsack, Klamotten, Regenkleidung, usw.) selbst im Rucksack tragen. Da es ohne Verpflegung jedoch nicht geht, wurde noch im Freetime ein Geldbetrag erwürfelt. Jeder der acht Teilnehmer durfte einmal würfeln. So kamen wir auf die Zahl 22 was bedeutete, dass uns als achtköpfige Gruppe für drei Tage lediglich 22 Euro für Einkäufe zur Verfügung stehen würden. Dann wurde das Ziel des Fußmarsches bekannt gegeben. Ein Waldhütte ohne Strom und fließend Wasser bei Künzelsau-Weckhof musste erreicht werden. Nach einem Blick auf die Karte und einer langen Diskussionsrunde wie man am besten dorthin kommen würde, starteten wir um 10:45 Uhr Richtung Neuenstein. Dort sollte eingekauft werden. Schon in Cappel taten den ersten Jungs die Füße weh und es wurden immer wieder Pausen eingelegt. So kamen wir erst um 15 Uhr in Neuenstein am Penny an. Dort bestand die große Herausforderung darin, für das wenige Geld sinnvoll und überlegt einzukaufen. Insgesamt fünf Mal stellten sich die Jungs an der Kasse an, bis sie letztlich alles beisammen hatten was sie für sinnvoll erachteten. Darunter waren Teebeutel, 1 kg Zucker, Haferflocken, Milch, Brot, Wurst, Käse, Buchstabensuppe, Spaghetti und Tomatensoße sowie einiges mehr. Der Einkauf dauerte über eine Stunde, so dass wir erst um 16:15 Uhr in Neuenstein wieder aufbrachen. Als wir dann gegen 17 Uhr in Löschenhirschbach ankamen, wurde es schon langsam dunkel. Es lagen aber noch rund acht Kilometer vor uns. Einige Jungs wollten nicht mehr laufe, zumal es auch noch anfing zu regnen. So fragten sie einen vorbeifahrenden Landwirt, ob er uns nicht mit seinem Traktor bis nach Weckhof fahren würde. Dies tat der freundliche Bauer und so fuhren wir auf seinem Anhänger bis nach Rechbach. Von dort waren es dann noch knapp zwei Kilometer bis zur Waldhütte. Diese legten wir in völliger Dunkelheit mit Stirnlampen bei mittlerweile starkem Regen zurück.  An der Hütte angekommen, wurde erst einmal der Kanonenofen eingeheizt und eine Wäscheleine gespannt. Auf dieser wurden dann alle nassen Sachen getrocknet. Zum Abendessen gab es Buchstabensuppe und anschließen eine gesellige Runde Kartenspielen bei Kerzenlicht in einer mittlerweile gut eingeheizten Hütte.

Am nächsten Tag – es hatte die ganze Nacht hindurch geregnet – wollten die Jungs in den Wald zum Jagen gehen um abends Fleisch zum Grillen zu haben. Nachdem sie sich „Speere“ geschnitzt hatten, zogen sie los. Als sie zurück kamen hatten sie zwar nichts gefangen, doch ein Reh war ihnen angeblich nur knapp entwischt. Wir stiegen dann auf das jagen mit Pfeil und Bogen um. Mit zwei Sportbögen trainierten wir das Schießen auf eine Zielscheibe um anschließen im Wald auf 3-D Tiere aus Schaumstoff zu schießen. Vorgabe war es, einen Hasen und zwei Enten aus etwa 8 Meter Entfernung mit lediglich einem Schuss pro Person zu erlegen. Es mussten also drei von acht Pfeilen treffen. Als Belohnung würde es dann Grillfleisch für den Abend geben. Diese Aufgabe wurde recht schnell gemeistert. An der Herausforderung, fünft Treffer bei acht Schuss auf den Hasen zu landen, gestaltet sich sehr viel schwerer. Als Belohnung sollte es hierfür einen Schlüssel für eine Lebensmittelkiste mit Leckereien gebe. Doch es gelang uns bei keinem Durchgang fünf Treffer auf dem Hasen anzubringen.

So mussten wir uns mit dem Fleisch begnügen. Doch diese lag nicht einfach in der Hütte, sondern musste bei einem Bauernhof in Gaisbach abgeholt werden. Dies bedeutet weitere 4,5 Kilometer Fußmarsch. Dort angekommen entschlossen sich die sechs Jungs, eine Stunde auf dem Hof mitzuarbeiten, um den Schlüssel für die Lebensmittelkiste doch noch zu bekommen. Nach weiteren 4,5 Kilometer Rückmarsch waren wir gegen 16:30 Uhr zurück an unserer Hütte und konnten mit dem zerlegen des Fleisches und dem grillen beginnen. Dieses Stück Fleisch schmeckte allen besonders gut, schließlich hatten sie viel dafür getan. Jedoch war der Fußmarsch am Freitag zur Hütte und der Marsch nach Gaisbach um Fleisch zu bekommen für vier der sechs Jungs genug des Guten. Ihnen taten die Beine weh und sie wollten den Heimweg am nächsten Tag nicht wieder antreten. Sie beschlossen, sich von den Eltern noch am gleichen Abend abholen zu lassen. So traten wir am Sonntag nur noch zu viert den Heimweg an. Ziel war es, bis nach Neuenstein zu kommen (10 Kilometer) und ab dort dann mit dem Bus nach Pfedelbach zu fahren. Jeremy Melzig und Daniel Pietzko war die beiden tapferen Jungs, die dieses Ziel mit uns beiden Betreuern angehen wollten. Was an diesem Tag dann folgte war einfach sagenhaft. Hatten wir am Freitag für 12 Kilometer noch rund sieben Stunden gebraucht, so legten wir nun ein richtig gutes Tempo vor. Nach nur 2 Stunden und 15 Minute hatten wir Neuenstein erreicht und beschlossen, den restlichen Weg auch noch zu Fuß zurück zu legen. Nach weiteren 60 Minuten waren wir schon in Pfedelbach. Wir hatten die komplette Strecke von Weckhof nach Pfedelbach (18,4 Kilometer) in 3 Stunden und 45 Minuten inkl. 30 Minuten Pause zurückgelegt. Zu Belohnung gönnte wir uns eine leckere Pizza vom Trunk sowie eine kalte Cola im Jugendzentrum Freetime.

Insgesamt liefen wir vier an diesem Wochenende 40,55 Kilometer. Die anderen vier Jungs immerhin auch stolze 22,71 Kilometer. Für alle war es eine tolle Erfahrung. Die eigenen Grenzen wurden erreicht, bei manchen überschritten und wieder andere wuchsen weit über sich hinaus. Doch das genialste an allem war, dass wir gemeinsam eine sehr intensive Zeit hatten in der viel Raum und Zeit für besseres Kennenlernen, erzählen und reflektieren war. Ich denke dass alle Beteiligten diesen Trip nicht so schnell vergessen und in guter Erinnerung behalten werden.

„Heutige Jugendliche sind träge und faul. Sie hängen nur noch vor der Klotze oder dem Internet anstatt etwas sinnvolles zu tun!“ Diese und ähnliche Aussagen habe ich in den letzten Jahren von verschiedensten Menschen zu hören bekommen. Doch ist das wirklich so? Antwort folgt!

Im Juli 2012 eröffnet in Pfedelbach das neue Jugendzentrum. Nach zehn Jahren „Schattendasein“ im Keller der örtlichen Schule, beginnt damit ein neuer Abschnitt in der Offenen Jugendarbeit der Gemeinde Pfedelbach. Das mag nicht besonders spektakulär klingen und vielleicht ist es das auf den ersten Blick auch nicht. Doch bei näherer Betrachtung ist zu erkennen, wie viel wegweisendes und auch symbolträchtiges in dieser Entscheidung steckt. Ich meine damit nicht in erster Linie die Tatsache, dass in Zeiten knapper Kassen, eine Kommune Geld in eine Freiwilligkeitsleistung wie ein Jugendzentrum investiert. Das ist sicher lobenswert und sollte Vorbild für andere Kommune sein. Worauf ich hinaus möchte sind die scheinbaren Nebensächlichkeiten:

 

(1)   Da ist zum einen der Standort des neuen Jugendzentrums. Nicht etwa im Industriegebiet, wo die Jugendlichen doch „… so laut sein können wie sie wollen und niemanden stören“, sonder im absoluten Ortskern von Pfedelbach, in einem denkmalgeschützten Gebäude. Zum Einen mag es Zufall sein, dass gerade hier Räume frei wurden, zum Anderen zeugt es aber auch von einer mutigen (einstimmigen) Entscheidung des Gemeinderates, die Jugend ins Zentrum von Pfedelbach zu holen. Dort hin, wo Jugendliche aus meiner Sicht auch gehören, genauso wie Kinder und Senioren.

(2)   Da ist aber auch die Haltung gegenüber der Jugendarbeit im allgemeinen und präventiven Maßnahmen im Besonderen. So leistet sich Pfedelbach neben Schulsozialarbeitern an der Haupt- und Realschule (jeweils 50 % Stelle) auch mich als Jugendreferenten (60%) und meine Kollegin im Jugendreferat (400 €-Basis). Dass dies alles Freiwilligkeitsleistungen sind die jährlich Geld kosten ist das Eine. Dass hierdurch aber Folgekosten in weit höherem Maße eingespart werden und noch dazu viele junge Menschen in den Genuss von (freizeit-) pädagogischen Maßnahmen kommen, das Andere. Und dass ein Gemeinderat dies so sieht und mitträgt ist lobens- und beachtenswert.

(3)   Dass eine Kommune ihrem Jugendreferenten (also mir) fast uneingeschränkte Freiheit in seiner Berufsausübung lässt, spricht ebenfalls für sich. Man respektiert und achtet sich in Pfedelbach. Man erkennt an, dass ich als Jugendreferent der Fachmann für den Bereich Jugendarbeit bin und vertraut mir hier voll und ganz. Dieses entgegengebrachte Vertrauen hilft mir wiederum in meiner täglichen Arbeit. So kann die Offene Jugendarbeit in Pfedelbach seit nunmehr 10 Jahren stetig wachsen und an Struktur und Gestalt hinzugewinnen.

 

Doch schon Henry Ford sagte: „Stillstand ist Rückschritt“. So muss und wird es hoffentlich auch in Pfedelbach weiter vorangehen. Mit Stolz über das was bisher erreicht wurde und in dem Wissen, dass es noch viel zu tun gibt. Sowohl pädagogisch als auch strukturell.