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Gestern habe ich im Radio bei meinem Lieblingssender Deutschlandfunk einen Beitrag über die Lebenserwartung in Deutschland gehört. Demnach haben Menschen in Baden Württember die bundesweit höchste Lebenserwartung aller Bundesbürger. Laut dem Bericht kommt ein neugeborener Junge in BW derzeit auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 78 Jahren. Ein Mädchen gar auf 83 Jahre. Das ist an sich ja noch nicht sehr spektakulär. Was mich allerdings verblüfft hat war, dass Wissenschaftler dies u.a. auf den höheren Bildungsstandard in BW zurückführen. Heißt also: Bessere Bildung = längeres Leben!?

Investitionen in Bildung lohnen sich also wirklich, auch wenn dies bedeutet, dass für Menschen die länger leben auch mehr Geld (Rente) ausgegeben werden muss. Doch ist es nicht interessant dass Bildung auch in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt? Da bekommt der Ausspruch: „Man lernt für`s Leben“ einen ganz neue Perspektive.

Bei der heutigen Preisverleihung in der Lichtburg in Essen hat der Ego-Shooter Crysis gleich mehrfach abgeräumt. Crysis (für PC) – wurde ausgezeichnet mit „Bestes Deutsches Spiel 2008“, „Beste InGame – Grafik“ und „Beste Gamedesign“. Bei den von einer Fachjury vergebenen Auszeichnungen war das deutsche Spieleentwicklungsunternehmen Crytek GmbH damit der große Gewinner des Abends.

Zum ersten Mal hat somit ein sogenannter Ego-Shooter die Auszeichnung für das „Beste Deutsche Computerspiel“ erhalten.

Thomas Jarzombek, medienpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, stichelte in seiner Laudatio auf Crytek auch gegen den neu eröffneten bayerischen Kampf für strikte Spieleverbote. Und witzelte dabei im Hinblick auf die hohen Hardwareanforderungen von Crysis: „Bis die Kids sich die benötigte Grafikkarte leisten können, sind sie garantiert volljährig.“

Die Grafik dieses Spieles ist -bei eben der entsprechenden Hardware- wirklich genial.  Screenshots (Bilder aus dem Spiel) gibt es hier zu sehen.

Ich möchte hier gar nicht in die Diskussion über Ego-Shooter und deren angeblichen Wirkungen einsteigen. Meine Meinung hierzu habe ich ja bereits geschrieben.Es freut mich einfach sehr, dass endlich auch aus Deutschland Computerspiele kommen, die mit dem Rest der Welt mithalten können. Ein weiterer Beweis für deutschen Entwicklergeist.

Heute war es endlich so weit. Der Spielplatz am Pfedelbacher Schloss wurde nach mehrwöchiger Umbauzeit eingeweiht. Zur Einweihung wurde der Kindergarten „Kindernest Nord-West“ aus Pfedelbach eingeladen. Die etwa 40 Kinder des Kindergartens kamen mit ihren Erzieherinnen gegen 10.30 Uhr am Spielplatz an. Bürgermeister Kunkel, Bauamtschefin Frau Niesing sowie Frau Wenczel vom Bauamt und ich waren schon da. 

Statt großer Worte oder einer Eröffnungsrede gab es Punsch und Brezeln sowie viel Zeit zum spielen. Den Kindern gefällt der neue „Obst – und Weinbau – Spielplatz“, welcher von der Firma Zimmer.Obst geplant und gebaut wurde sehr gut. Besonders die Nestschaukel hat es den Kindern angetan. Dass es sich bei dem Kletterturm um eine Obstpresse handeln soll, sieht jeder Erwachsene sofort. Die Kinder haben da aber so ihre eigenen Phantasien. Für sie ist das Ding da oben (die Spindel) einfach die Bohrmaschine. Seis drum, den Kindern gefällt der neue Spielplatz. Die rund 34.000 Euro sind also gut angelegt.

Brezeln und PunschGruppenbild Einweihung SpielplatzNestschaukel

In einem kürzlich veröffentlichen Aufsatz (Veröffentlichung in der Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe, 3/2008 ) problematisieren Christian Pfeiffer sowie seine MitarbeiterInnen Susann Rabold und Dirk Baier vom Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) auf der Grundlage einer Befragung von 3661 Jugendlichen der neunten Schulklassen in Hannover die Wirkungen von Jugendarbeit. Zentraler Befund der Studie ist, dass sich in Jugendzentren problematische Jugendliche „zusammenballen“. Behauptet wird, dass viele von ihnen  aus sozial belasteten Milieus stammen sowie Cliquen angehören, die sich unangepasst verhalten und zu Gewalt neigen. Die zuspitzende Kernthese lautet:

„Der Besuch von Freizeitzentren erweist sich auch unter Berücksichtigung einer Reihe zentraler Risikofaktoren als eigenständiger Verstärkungsfaktor für gewalttätiges Verhalten.“ (265f.)

Weiter ist von einem „Gewaltverstärkungseffekt, den der Besuch von Jugendzentren nun einmal entfaltet“ (267), die Rede.

Solche Aussagen müssen Jugendarbeit beunruhigen, zumal Christian Pfeiffer in der Vergangenheit schon verschiedentlich den Zweck von Jugendarbeit radikal infrage gestellt hat und mit entsprechenden Positionen bei den Medien beliebt ist.

Da stellt sich mir die Frage: Muss Jugendarbeit endlich anerkennen, dass sie gewalttätige Jugendliche hervorbringt und sich für ihre eigene Abschaffung einsetzen? Letzteres vertreten zumindest die VerfasserInnen der erwähnten Studie: Sie empfehlen ausdrücklich die „schrittweise Verlagerung der Offenen Jugendarbeit in Ganztagsschulen und parallel dazu die schrittweise Schließung von Freizeitzentren“, weil nur so die Klientel der Jugendhäuser „aus ihrer sozialen Isolation“ herausfindet und in „besser durchmischte Freundschaftsnetzwerke“ (267) hineinfindet. 

Die in dieser Studie veröffentlichten Befunde sind zum großen Teil nicht Neues. Es ist mir und meinen Kollegen in anderen Jugendhäusern durchaus bewusst, dass sich in unseren Jugendhäusern Jungen und Mädchen aus benachteiligten Milieus aufhalten, dass ihr Umgang rabiater ist als der von „Mittelschichtsjugendlichen“ sowie dass Gewaltdelikte und andere soziale Abweichungen zum Alltag gehören.

Die von Pfeiffer/Rabold/Baier geforderte schrittweise Schließung der Jugendhäuser um Jugendliche aus ihrer Isolation herauszuführen ist plump und polemisch zugleich. Vertritt man diese Abschaffungsposition, so muss man vor dem Hintergrund von Gewalt an Schule auch deren Abschaffung; vor dem Hintergrund von Gewalt in Strassenbahnen deren Stillegung und vor dem Hintergrund von Gewalt in Familien auch die Abschaffung der Familien fordern.

Äußerst fragwürdig ist für mich auch die Unterstellung eines direkten Bezuges zwischen sozialer Benachteiligung, Jugendhausbesuch und Jugendgewalt. Nach den vorliegenden Daten gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen Jugendhausbesuch und verbal behaupteter Gewalttaten. Was jedoch nicht untersucht wurde ist, ob die befragten Jugendlichen, würden sie sich an einem anderen Ort treffen, weniger gewalttätig wären?So könnte es also ebenso gut sein, dass der Aufenthalt in einem Jugendhaus ein noch weiteres abweichen von gesellschaftlichen Normen verhindert!

Aus meiner Praxis kenne ich außerdem auch die diskrepanz zwischen verbal geäußerten und tatsächlich ausgeführten Gewalttaten. Ob also die -nur verbal geäußerten- Taten konkruent zum wirklichen Verhalten der befragten Jugendlichen ist, ist aus meiner Sicht zumindest fragwürdig. Hierzu liefert das Forschungsteam keine Ergebnisse.

Letztlich hat es sich die Gruppe um Dr. Pfeiffer wieder einmal viel zu leicht gemacht. Das Problem war erneut, dass die Jugendarbeit aus kriminologischer Sicht analysiert wurde. Hier wünsche ich mir für die Zukunft, dass bei eventuell noch folgenden Studien auch Sozialpädagogen und erfahrene Praktiker in das Forschungsteam involviert werden.

Zum Schluss noch eine Frage an Herr Pfeiffer: Wann waren Sie eigentlich das letzte mal in einem Jugendhaus? Sollte dies schon etwas länger zurückliegen, lade ich Sie hiermit herzlich ein, einmal bei mir in Pfedelbach im Jugendtreff vorbei zu kommen. Dort können Sie dann sehen dass die Praxis durchaus auch anders sein kann!