Archiv für Juni, 2013

 

Freitagmorgen, die Straßenlaternen sind noch aus. Die Kirchturmglocken  der Pfedelbacher Kirchen schlagen 4 Uhr. Im Dunkel des noch jungen Tages kann man schemenhaft sechs Gestalten vor dem Pfedelbach Schloss erkennen. Sie haben Koffer und Handgepäck dabei. Außerdem führen fünf von ihnen eine Fotoausrüstung mit sich.

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Es handelt sich um die Mitglieder der Fotoprojektgruppe des Jugendreferates Pfedelbach. Von 2010 bis 2012 haben sie zusammen mit Jugendreferent Martin Jakob fotografiert, gestaltet und die besten Fotos letztlich im Rathaus Pfedelbach in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert. Nun stand noch der versprochene Abschlussausflug an. Der Wunsch der Teilnehmer Caroline Krieg, Yasmin Weber, Birk Hofmann und Michael Masarczyk war es, nicht nur irgendwo hin zu fahren und Spaß zu haben, sondern das Ganze mit Fotografie zu verbinden. So ging es am vergangenen Wochenende für drei Tage nach Berlin um dort einen Fotoworkshop zu besuchen und die Stadt zu erleben. Frank Ballreich, der auch zur Projektgruppe gehörte, konnte leider nicht mitkommen.

Am besagten Freitagmorgen ging es los. Um 6:40 Uhr ging der Flieger von Stuttgarter nach Berlin. Beim Check-In wurde Michaels Fotoausrüstung sogar nach Sprengstoff durchsucht. Der Flug verlief reibungslos und nach nur einer Stunde Flugzeit landeten wir am Flughafen Berlin Tegel. Mit Bus und Bahn ging es dann zu unserem Hostel in Berlin Wedding. Der Tag war noch jung, und so beschlossen wir, die Stadt zu erkunden. Ziele waren das Brandenburger Tor, die Holocaust Gedenkstätte, der Alexanderplatz sowie der Reichstag. Nach einem Mittagschlaf im Hostel zogen wir abends noch einmal los um Berlin bei Nacht zu erleben. Immer mit dabei waren unserer digitalen Spiegelreflexkameras.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Fotografie. Speziell für uns wurde ein Fotostudio angemietet, in dem der Profifotograf Patric Böttcher für uns einen neunstündigen Fotoworkshop abhielt. Am Vormittag gab es einen kurzen Theorieteil zum Thema Blende, Verschlusszeit, Schärfentiefe und Belichtung bevor es dann mit fotografieren losging. Der Fotograf hatte Mandy – ein professionelles Fotomodel – sowie eine Visagistin mitgebracht. So konnten wir zum ersten Mal in unserem Leben ein echtes Model in einem Studio fotografieren. Es war unglaublich spannend. Manch einer war zu Beginn noch etwas schüchtern, doch das legte sich schnell. Nach zwei Stunden hatten wir Mandy in verschiedensten Posen abgelichtet, so dass es nach dem Mittagessen mit der Retusche und der digitalen Nachbearbeitung der Fotos am Computer weitergehen konnte. In Photoshop zeigte uns Patric verschiedenste Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Vier Stunden lang lernte und übten wir ganz praktisch, wie Hautunreinheiten am PC verschwinden, Gesichter retuschiert und der Hintergrunde und die Farben perfekt abgestimmt werden können. Es war sagenhaft zu sehen, was mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop alles möglich ist. Eifrig wurde alles mitgeschrieben und sofort selbst umgesetzt.

Für Yasmin, Caroline und Michael war es mehr als nur ein toller Workshop. Alle drei haben sich mittlerweile – inspiriert durch das zweijährige Projekt – beruflichen in Richtung Fotografie und Gestaltung orientiert. So konnten sie bei diesem Workshop viel für sich und ihren zukünftiges Berufsleben mitnehmen.

Am Sonntag ging es dann mit der Bahn wieder nach Hause. Wegen Hochwasser konnten rund um Magdeburg keine Züge fahren, so dass wir dort auf Schienenersatzbuse umsteigen mussten. Dadurch kam es zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Hatte der Hinflug gerade einmal eine Stunde gedauert, so dauerte die Bahnfahrt zurück letztlich ganze 14 Stunden. Dafür war es aber – dank des Wochenendtickets – sehr günstig. Um 23 Uhr kamen wir endlich wieder zu Hause an. Danke auch an Theo Krieg, der uns am Freitag in aller Frühe zum Flughafen nach Stuttgart gefahren und am Sonntag am Bahnhof in Heilbronn wieder abgeholt hat.

Es war trotz der langen Bahnfahrt ein äußerst inspirierendes und prägendes Wochenende. Der Workshop war sehr praxisnah und erweiterte unseren fotografischen Horizont enorm. Das Ganze noch dazu in der Weltmetropole Berlin zu erleben, machte das gesamte Wochenende zu einem einzigartigen Erlebnis. Gefüllt mit vielen neuen Eindrücken, Ideen und Inspirationen wurde damit das mehr als zwei Jahre dauerndes Fotoprojekt des Jugendreferates abgeschlossen. Für einige der Teilnehmer war es jedoch eher ein Beginn als ein Ende, und das ist sehr erfreulich. Dies zeigt, dass Jugendprojekte neben Spaß auch berufsintegrierende und prägende Inhalte vermittel können. In diesem Sinne läuft seit Pfingsten 2013 bereits das nächste Langzeitprojekt des Jugendreferates Pfedelbach, das Seifenkistenprojekt mit der Firma Scheuerle. Auch darüber werde ich weiter berichten.

Martin Jakob, Jugendreferent