Archiv für Dezember, 2008

Gestern habe ich im Radio bei meinem Lieblingssender Deutschlandfunk einen Beitrag über die Lebenserwartung in Deutschland gehört. Demnach haben Menschen in Baden Württember die bundesweit höchste Lebenserwartung aller Bundesbürger. Laut dem Bericht kommt ein neugeborener Junge in BW derzeit auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 78 Jahren. Ein Mädchen gar auf 83 Jahre. Das ist an sich ja noch nicht sehr spektakulär. Was mich allerdings verblüfft hat war, dass Wissenschaftler dies u.a. auf den höheren Bildungsstandard in BW zurückführen. Heißt also: Bessere Bildung = längeres Leben!?

Investitionen in Bildung lohnen sich also wirklich, auch wenn dies bedeutet, dass für Menschen die länger leben auch mehr Geld (Rente) ausgegeben werden muss. Doch ist es nicht interessant dass Bildung auch in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt? Da bekommt der Ausspruch: „Man lernt für`s Leben“ einen ganz neue Perspektive.

Heute erschien in der Hohenloher Zeitung ein Presseartikel zum Jugendreferat Pfedelbach. Der Artikel kann hier nachgelesen werden.

Angedacht war es schon länger, beschlossen wurde es vor einigen Wochen im Gemeinderat und umgesetzt zum neuen Jahr. Das Jugendreferat Pfedelbach bekommt weibliche Verstärkung.

Zum Beginn des neuen Jahres wird Marita Fritz mich in meiner Arbeit als Jugendreferent unterstützen. Sie wird mit einem Stundenumfang von 6 Stunden pro Woche in die bestehende Arbeit mit einsteigen. Mein Vertrag wurde ebenfalls auf unbefristete Zeit verlängert. Gemeinsam werden wir das Jugendreferat und die vielschichtigen Arbeitsbereiche und Aufgaben weiterentwickeln. Außerdem wollen wir versuchen auch neue Impulse zu setzen.

Ich freu mich sehr über diese „Neuverpflichtung“ und sehe der Zusammenarbeit mit Frau Fritz sehr positiv entgegen.

Herzlich willkommen schon heute Marita Fritz, auch wenn der Vertrag erst ab dem 1.1.2009 beginnt.

Martin Jakob mit Marita Fritz

Nachdem ich am Morgen die Situation mit den Teenagern erlebt und mir so meine Gedanken zum Thema Grenzen, Verantwortung und Zivilcourage gemacht hatte, lief mir doch prompt am Nachmittag gleich die zweite Situation zu dieser Thematik über den Weg.

Tatort war diesmal ein Lebensmitteldiscounter in Pfedelbach. Ich hatte privat einiges eingekauft. Unter anderem auch einen Sixpack Bier. Als die Verkäuferin ihn über die Scannerkasse zog piepste es ganz komisch. Ich fragte nach und sie erklärte mir, dass bei Alkohol und Zigaretten automatisch eine „Nachfrage“ der Kasse kommt, ob der Käufer schon 16 bzw. 18 Jahre alt ist. Die Verkäuferin muss dies dann mit dem drücken einer Taste bestätigen, oder bei Zweifeln den Ausweis verlangen. Ich lobte dieses System das ich bis dahin nicht kannte. Die Kassiererin erzählte mir aber auch, dass viele Jugendliche, wenn sie aus altersgründen kein Alkohol verkauft bekommen, ein paar Minuten später mit der gleichen Ware wieder an der Kasse stehen. Der Unterschied zum ersten Versuch ist dann jedoch, dass sie einen 18-jährigen Freund dabei haben der die Ware bezahlt. Die Kassiererin meinte dazu: Da kann man rechtlich leider nichts dagegen tun, so ist das halt mal! Daraufhin stellte ich Ihr die Frage ob das wirklich so sei? Könne man wirklich nichts tun? Nein, wirklich nicht, war Ihre Antwort.

Die nächste Person in der Schlange wartete schon, so dass ich das Gespräch nicht weiterführen konnte und nur noch sagte: Ich glaube dass es hier eher um eine ethisch-moralische und nicht so sehr um eine rechtliche Frage geht.

Meine Fragen in diesem Fall:

  • Wenn offensichtlich ist, dass der Jugendliche sich gerade Alkohl durch einen älteren Freund besorgt, kann da wirklich nichts getan werden?
  • Was würde passieren wenn die Kassiererin sagen würde: Ich sehe genau was hier abläuft und deshalb verkauf ich euch beiden keinen Alkohol!
  • Was wenn der Chef der Filiale ein solches Vorgehen ausdrücklich fordern und unterstützen würde?
  • Welches Verhalten der Verkäuferin ist denn schlimmer? Alkohol zu verkaufen von dem man weiß dass er für Minderjährige gekauft wird, oder dies, mit dem Verweis auf die Rechtslage, doch zu tun?
  • Wie oft biegen wir uns das Gesetz eigentlich so hin wie wir es brauchen? Wie oft brechen wir am Tag eigentlich bestehende Gesetzte ohne dass wir groß darüber nachdenken oder Gewissensbisse haben (z.B. Geschwindigkeitsbeschränkungen misssachten)?

Ich wünsche mir auf jeden Fall Läden, in denen Verkäuferinnen und Filialleiter so viel Mumm (nicht den Sekt) haben, die Masche mit dem 18-jährigen Freund einfach nicht zu akzeptieren. Das würde ein Zeichen setzte. Wieso nicht in Pfedelbach damit anfangen?

Und Alkohol und Zigaretten in Lebensmittelläden sind hierfür nur ein Beispiel. Du kennst sicher noch einige mehr, oder?